Der züchterische Werdegang von Arno Löser
(Auszüge von Horst Marks, erschienen in Geflügelzeitung 10/97)  
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wpe5.gif (58183 Byte)Wenn ich mit Rassegeflügelzüchtern zusammentreffe, gleich aus welchem Landesverband unseres BDRG sie kommen, und egal, ob sie auf großen oder nur auf kleinen Ausstellungen mitmachen, mich interessiert an ihnen neben dem Rassegeflügel besonders die Person, der Züchter, sein Lebenslauf ebenfalls.
Im allgemeinen haben sie alle die ersten Schritte ihres züchterischen Weges bereits im Kindesalter gemacht. Sie bekamen oft im elterlichen Anwesen Kontakt zu Tieren oder besorgten sich, falls daheim noch keine waren, dank Anregungen durch glücklichere Altersgenossen Rassegeflügel, häufig Tauben.
So mancher musste später dann durch berufliche Ausbildung oder Dienst beim Militär zeitweilig oder ganz seine Jugendträume begraben. Ein Teil jedoch blieb dank prächtiger Bedingungen bei den lieben Gewohnheiten aus Kinder- und Jugendzeit. Dieser Teil scheint mir der aktivste in unserer Organisation zu sein. Bei einem Besuch von Arno Löser, Feldengel, Züchter von Federfüßigen Zwerghühnern, fand ich meine Ansichten einmal mehr bestätigt.
Nur gelbe Italiener hatten auf seines Vaters Grundstück Platz. Vater Löser war auf sie eingeschworen. Er stellte fleißig in nach und fern aus. Ausläufe und Ställe hatten die Gelben im elterlichen selbständigen Gartenbaubetrieb genug und der Vater Zeit für seine Tiere. Das sind Vorteile, die auswärts Tätige, die von morgens bis abends ihre Tiere nicht sehen, zu schätzen wissen. Arno Löser ist, wie der Vater es war, sehr naturverbunden. Es wuchs in einer Umwelt auf, die seine Neigungen förderte. Er durfte schon als Kind mit zu den Ausstellungen, gar nach Erfurt zur Eröffnung der großen Schauen in der Thüringenhalle im Jahre 1953. Damals, zehn Jahre alt, traf er erstmals auf Federfüßige Zwerghühner, die seinerzeit vorwiegend in Porzellanfarbig erschienen. Er war von ihnen fasziniert: So einen Hahn wollte er auch haben! Alles gefiel ihm an diesem Kerl; er war gegenüber dem gelben Einerlei der väterlichen Italiener so schön bunt, hatte Federn an den Füßen und lief deshalb anders als die väterlichen Hähne. Er war klein, so dass man sich vor ihm nicht zu fürchten brauchte, und bewegte sich so keck, ging dabei zutraulich auf den Jungen zu, ihn durch die Käfigwand beäugend.
Der Hahn berührte das Innerste des Knaben zutiefst, so ähnlich, wie es Ernst Mensinger in der Broschüre über Federfüßige
Bilder5.jpg (21278 Byte) Zwerghühner (1967) beschreibt: „Es war ein Mille-fleurs-Hähnchen. Ich sehe es noch heute in der Vormittagssonne dort auf der Stallstufe, mitten unter der New Hampshire-Herde, voller Leben, frech wie Oskar und mit dem Ausdruck von ´Was kostet die Welt?´ Ich erinnere mich noch jetzt an die relativ helle, aber wirklich leuchtende Grundfarbe, an die draufsitzenden glänzenden Tupfen und die feinen weißen Perlen, im Halsbehang funkelnd wie kleinste Edelsteine. Alles weitere ist Logik und Konsequenz: Ich habe mich in dieses Tier und damit in diese Rasse verliebt, die Federfüßigen Zwerghühner wurden meine Liebhaberei, mein Hobby also. Ich weiß, dass es Wichtigeres im Leben gibt und betreibe diese Liebhaberei weder tierisch noch verbissen ernst – dann wäre es nämlich keine mehr – sondern bewusst zur Freude, zu meiner Abwechslung, zu meinem Ausgleich. Dieses Hobby ist für mich schlechthin Lebensqualität und es hilft mir entscheidend, mit diesem Leben fertig zu werden und dieses lebenswert zu finden. So einfach ist das.“ Welch Glück für diese beiden Züchter, solchermaßen zu ihrer Rasse zu kommen!

Arnos Beginn mit Federfüßen: Der Vater war wenig von Arnos Wunsch, einen solchen Hahn zu haben, begeistert: Wenn der kecke, bunte Kerl nun seinen Gelben gefiel und sie sich ihm ergaben, was würde dabei herauskommen? Es könne seine ganze Bilder2.jpg (52981 Byte) Zucht durcheinanderbringen. Nein, die kamen nicht auf´s Grundstück! Der Junge möchte doch gefälligst Vaters Gelbe weiterzüchten! Der Junge gab aber nicht auf, steckte sich hinter Mutters Rockstoß quengelte und quengelte: So einen Hahn wollte er haben! Mutter Löser hatte mehr Herz für die bunten Vorstellungen. Sie lag nun ihrerseits Vater in den Ohren: „Kauf doch dem Jungen den Hahn.“ Sie stimmte den Vater dann um.
Gesagt – getan: Der Hahn wurde von der Ausstellung weg gekauft. Ein Stall musste her! Der Junge wollte dafür einen eigenen, nicht etwa einen Platz bei Vaters Gelben. Es entschied sich für eine leerstehende große Hundehütte, in die er manchmal selbst hineinkroch, um beim Bunten zu sein. Was aber ist ein Hahn ohne Henne? Das wusste der Junge damals auch schon. Er quengelte wieder. Durch Buschfunk, den es in den Dörfern noch gibt, erfuhr er im Frühjahr, dass im Nachbardorf eine Frau eine Federfußhenne besaß. Die Henne kam nach Feldengel in die Hundehütte. Doch die Henne starb, noch ehe sie ein Ei gelegt hatte. Wieder ging die Quengelei los. In der Geflügelzeitung bot Ernst Keller aus Dermbach/Rhön einige Federfuß-Hennen an. Vater ließ zwei Hennen per Post schicken. Einstmals war das noch möglich. Nun konnte der Jungzüchter richtig loslegen.

Zwei Engagierte treffen sich: Auch beruflich wollte Arno Löser wiederum nicht in Vaters Fußstapfen treten: Er wurde Geflügelzüchter. Im letzten Jahr seiner Lehrzeit im VEG Elbisbach durfte er im Betrieb ein Stämmchen Federfüßige Zwerghühner halten. Man hatte seinem Wunsch, ihm doch seine Zwerghuhnhaltung zu gestatten, nachgegeben, weil man ihn verstand. Als er als Facharbeiter für Geflügelzucht später in einem Mehderittscher Geflügelbetrieb nahe Torgau arbeitete, gehörten wieder die Federfüßigen zu seinen Begleitern. Damals stellte er bereits zur LIPSIA aus, erreichte schon einen Siegertitel in seine Klasse.
Dann kam die Armeezeit, und er bezog Quartier in einer Leipziger Artillerie-Kaserne. Nicht weit davon entfernt hatte Günter Beutel, ein bekannter Züchter von Silber-Wyandotten und New Hampshire, seine Gärtnerei. Wenn Arno Löser frei hatte, war er in drei Minuten dort in seinem Milieu, half bei den Hühnern oder im Gewächshaus beim Pikieren.
Bilder4.jpg (16023 Byte) Ausgerechnet an einem Wochenende, an dem er wegen Dienstes nicht Ausgang bekommen sollte, fand die LIPSIA statt. Er, der begeisterte Züchter in der Kaserne, seine Rasse auf der LIPSIA und 20 Minuten mit der Straßenbahn fahren! Dort war die LIPSIA, seine Welt! Arno Löser marschierte zum Spieß, um Ausgang zu erreichen. Der blieb hart: Dienst ist Dienst! Deshalb den Dienstplan umschmeißen? Nein! Um den Quengelein des Antragstellers zu entgehen, schickte er ihn zum Chef, wohlwissend um dessen private Neigungen. Sollte der doch entscheiden. Schütze Ar... nahm Anlauf und hinein zum Chef mit geflochtenen Schulterstücken und Sternen. Er meldete sich, durfte rühren und sein Anliegen vortragen. Des Chefs anfangs dienstliche Miene wurde freundlicher und freundlicher, als er die Gründe für den Sonderurlaub hörte. „Setzen Sie sich doch“, bat ihn plötzlich der Chef, Oberstleutnant Rosenke. Und bald darauf plauderten beide über Rassegeflügelzucht. So war Zuchtfreund Arno Löser wieder auf einen passionierten Rassegeflügelzüchter gestoßen, der selbst auf der LIPSIA ausstellte und Mitglied im Leipziger RGZ Verein war. Arno Löser bekam Sonderurlaub und genoss die LIPSIA.

Geheimoperation Küken: Es hatten sich zwei verwandte Seelen getroffen. Sie verstanden sich über ideologische und dienstliche Schranken hinweg, ein Fakt, den wir ja gelegentlich als einen der Vorzüge unserer Rassegeflügelzucht nenne. Allerdings hatte das hier Folgen.
Bilder3.jpg (88278 Byte) In der Kaserne wurde eine Geheimoperation gestartet, von der die Mitarbeiter der Leipziger Bezirkszentrale des Mfs nie etwas erfuhren. Hier, an dieser Stelle, wird das Geheimnis nun erstmals gelüftet: An dem Geheimprojekt waren nur der Soldat Arno Löser und sein Chef beteiligt. Unter größter Geheimhaltung wurden in der Allgemeinheit selten bekannte Apparaturen in einem Keller aufgestellt und abgeschirmt. Nur die beiden Eingeweihten hatten Schlüssel zum Raum, und Arno wurde als Heizer eingesetzt. Nur ihm war so ständiger Zutritt zu dem Geheimprojekt ermöglicht. Die Apparaturen bestanden, im militärischen Jargon dargelegt, aus einem rechteckigen Kasten mit elektrischen Heizungen, Schaltgeräten, Wasserkühlung, Überwachungsinstrumenten usw. In unserer Züchtersprache sagen wir schlicht: Es war ein Brutapparat. Dazu kamen Aufzuchteinrichtungen für Küken. Doch Arno Löser sorgte hier nicht für den Nachwuchs seiner Federfüßigen. Dazu fehlte ihm der Platz, um ihnen Auslauf zu gewähren. Er brütete vielmehr hier vor allem für seinen Chef Eier von Dresdner Hühnern aus und zog die Küken einige Wochen lang fachmännisch auf. Um jedoch einen Misserfolg zu vermeiden, besorgte sich Arno Löser von Günter Beutel ganz frische Bruteier als Kontrollgruppe. Der Bruterfolg war bestens: Sein Chef hatte 60 Küken und Arno 15 New Hampshire, die gemeinsam aufgezogen wurden. Bei der Entlassung aus der Armee nahm Arno Löser einen Karton Junghühner mit. Bevor er ins Zivilleben zurückkehrte wurde das Geheimobjekt aufgelöst.
Gern erinnert sich Arno Löser noch heute jener Zeit von 20 Jahren. Wenn er seinen damaligen Chef und Kompagnon, den heutigen Vorsitzenden des Leipziger Geflügelzuchtvereins und Mitarbeiter in der Schauleitung des LIPSIA trifft, gibt es eine besonders herzliche Begrüßung.

Geflügelzucht als Hobby und Beruf: Arno Löser blieb bis heute der Geflügelwirtschaft treu. Er kehrte in sein Heimatdorf zurück, wurde Geflügelzuchtmeister und Agrar-Ingenieur und gehört heute zur Leitung eines Frischeier-Großbetriebes in Greußen. Zum Glück fand er die passende Frau aus einem landwirtschaftlichen Elternhaus an seiner Seite und hat zwei heute erwachsene Kinder. Er bewirtschaftet mit bestem Erfolg das väterliche Anwesen. Allerdings ist die Gartenbaufläche erheblich reduziert, denn Auslauf brauchen auch kleine Zwerghühner, vor allem wenn es hunderte von Jungtieren sind.
In seinem RGZ-Verein Greußen, dem er seit Jahrzehnten angehört, ist er Zuchtwart für alle Gebiete, er ist auch Preisrichter und Sonderrichter für Federfüßige Zwerghühner und im jetzigen Kreisverband Kyffhäuser Vorstandmitglied. Im Landesverband Thüringer Rassegeflügelzüchter wirkt er seit Gründung begeistert als Jugendobmann.
In der Rassegeflügelzucht ist ihm ein Züchter besonders Vorbild, der Jokohama, schwarze Hamburger Hühner, Deutsche Schautauben und Sächsische Schildtauben sehr erfolgreich gezüchtet hat: Kurt Busse aus Torgau. Mit ihm verbindet ihn eine herzliche Züchterfreundschaft, wie das so oft in unseren Kreisen üblich ist. Diese Freundschaft begann, als Arno Löser in der Nähe seinen Arbeitsplatz hatte und Mitglied im Torgauer RGZ-Verein war. Er verstand sich mit Kurt Busse prächtig, besuchte ihn und seine Zucht häufig, wenn ihn die Langeweile in seiner Junggesellenbude plagte. Bei anderer Gelegenheit lernte er übrigens hier seine Frau Roswitha bei einer Tanzveranstaltung kennen.

Zusammenarbeit schon vor der Wende: Auch mit Ernst Mensinger aus Geiselwind verbinden ihn enge freundschaftliche Kontakte, schon seit den Jahren vor der Wende. Ernst Mensinger bewerkstelligte damals manchen Austausch, vor allem über wpe1A.gif (30560 Byte) Bruteier oder Züchterbesuche im Westen. Seinerzeit verlief der Austausch nicht nur von Ost nach West, sondern auch umgekehrt, wobei letzteres vor allem seltenere Farbenschläge betraf, so auch die gelb-weißen Federfüßigen Zwerghühner. Besonders schätzt Arno Löser das Engagement von Ernst Mensinger hinsichtlich der Zusammenführung der SGZ und SV der Züchter Federfüßiger Zwerghühner. Ernst Mensinger wurde als Kind im Kreise der Familie aus dem Sudetenland in die Bundesrepublik „ausgesiedelt“. Dabei hat er den Prozess des sich Einlebens in einer ganz anderen Umwelt selbst miterlebt und konnte wohl deshalb so fruchtbar bei der Vereinigung von SV und SZG wirken.

Stoff für einen Roman: Über das Züchterleben von Arno Löser könnte man noch und noch schreiben. Es dürfte sich sogar Stoff für einen Roman finden lassen. Aber welcher Schriftsteller schreibt schon einen Roman über die Rassegeflügelzucht?
So bleibt uns als Rassegeflügelzüchter nichts anderes übrig, als selbst über uns zu schreiben, so gut es geht und so gut man es eben kann. Anregungen und Stoff dafür gibt es in Hülle und Fülle, wie die Ausführungen über Arno Löser erkennen lassen.  

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