Aus der Zucht - Für die Zucht

 

                  Porzellanfarbige Federfüßige Zwerghühner

Der älteste Farbenschlag der Federfüßigen Zwerghühner ist der Gold-porzellanfarbige. Diese Bezeichnung gilt erst seit wenigen Jahren; zuvor hießen sie porzellanfarbig. Infolge der in den letzten Jahrzehnten hinzugekommenen anderen Farbenschläge mit porzellanfarbigem Zeichnungsmuster wurden sie zur besseren Unterscheidung in Gold-porzellanfarbig umbenannt. Dazu kommen die Isabell-porzellanfarbigen (früher blau-porzellanfarbig), die Zitron-porzellanfarbigen und Silber-porzellanfarbigen.

Unter den mittlerweile anerkannten 20 Farbenschlägen nehmen die genannten 4 Farbenschläge mit dem porzellanfarbigen Zeichnungsfaktor eine beträchtliche, wenn auch nicht dominierende Rolle ein. Während die Gold-porzellanfarbigen zirka 25 % der Meldezahlen auf den Schauen ausmachen, schwankt die Ausstellungszahl bei den übrigen 3 Farbenschlägen zwischen 5 und 10 %.

Die Gold-porzellanfarbigen, früher auch Mille Fleurs genannt, gaben mit ihrem Typ das Vorbild für sämtliche anderen Farbenschläge. Bei den Porzellanfarbigen zeigt die Grundfarbe am Federende einen schwarzen Tupfen, in dem an der Federspitze eine weiße Perle liegt. Lediglich bei den Isabell-porzellanfarbigen ist die schwarze Farbe des Tupfens in graublau aufgehellt.

 

Gold-porzellanfarbig

Das Farb- und Zeichnungsbild der Gold-porzellanfarbigen wird durch die möglichst dunkel-goldgelb geforderte Grundfarbe bestimmt, bei der aber wie auch bei den anderen Farbenschlägen ein gewisser Spielraum zum helleren und dunkleren Farbton möglich ist. Wichtig ist eine Gleichmäßigkeit der Farbe. Bei den Hähnen muss man solche mit ziemlich braunen Schwingen und sehr dunkelroten Flügeldecken ausschließen, denn sie stellen oft einen großen farblichen Gegensatz zur Brustpartie. Das Gleiche gilt bei den Hennen. Man muss natürlich einen kleinen Unterschied von der etwas helleren Brustfarbe zur dunkleren Rücken- und Flügelfarbe zulassen. Die Grundfarbe muss nicht nur gleichmäßig, sondern auch „sauber" sein, d.h. frei von Ruß bzw. Pfeffer.

Ein grober Fehler liegt vor, wenn sich im Rücken eine unreine Grundfarbe zeigt. Etwas Ruß im Flügelbereich, besonders in den Binden, kann geduldet werden. Tritt aber Ruß auch im Brustgefieder auf, so erscheint die Note sg schon fraglich.

Die schwarze, möglichst grünglänzende Tupfung auf jeder Feder soll annähernd birnenförmig sein. Ist sie zu sehr am Federschaft eingerissen, so haben wir es mit einer „offenen Tupfung“ zu tun. Das lässt sich am besten im Brustgefieder feststellen. Ein kritischer Punkt zur Beurteilung der Tupfenqualität sind die Binden. Die Flügelbinden weisen häufig Ungleichmäßigkeiten auf. Sind mal eine oder zwei Federn nicht ganz so gleichmäßig gezeichnet, kann man darüber hinwegsehen, aber sehr ungleichmäßige Bindentupfen sollten von der Note sg ausschließen. Das Gleiche gilt, wenn in den sonst gut getupften Binden die angedeuteten Perlen bräunliche Einlagerungen zeigen. Allerdings: Hier sollte man nicht zu pingelig mit der Lupe suchen. Das Defizit muss schon deutlich erkennbar sein, wenn das Tier von der Note sg ausgeschlossen wird.

Hinsichtlich der beim Jungtier geforderten angedeuteten weißen Perle ist ein relativ großer Spielraum in ihrer Ausbreitung zulässig. Es können also sowohl nach dem heutigen Stand der Beurteilung Jungtiere mit einem ausgereiften Bild an Perlung, wie auch solche mit nur angedeuteter Perlung in die höchsten Preise kommen. Es muss allerdings ein gleichmäßiges Zeichnungsbild geboten werden. Beim Halsbehang ist zuweilen ein Absetzen zum gesamten Farbbild zu beobachten. Das ist nicht statthaft, denn gefordert ist beim Hahn ein goldfarbiger Hals- und Sattelbehang. Hier sind keine großen Abweichungen erlaubt. Bei den Hennen ist der goldgelbe Halsbehang etwas heller erlaubt, aber auch hier darf der Halsbehang nicht zu stark farblich absetzen. Zu erwähnen ist, dass in der Steuerfarbe der Henne etwas verdecktes Goldgelb gestattet ist.

Das Untergefieder spielt in der Bewertung keine Rolle, sollte aber für den Züchter bei der Zusammenstellung seiner Zuchtstämme durchaus ein Maßstab sein, denn es ist ein Spiegelbild des Obergefieders. Ein gänzlich graues Untergefieder ohne einen merklichen Anteil von Goldgelb ist nicht zu empfehlen!

Die Alttiere der porzellanfarbigen Farbenschläge zeigen ein etwas anderes Zeichnungsbild als die Jungtiere, weil die Größe der weißen Perlen an den Federenden im Alter zunimmt. Diese Farbenschläge zeigen also erst ab dem zweiten Lebensjahr ihr ausgereiftes und bei vielen Laien so beliebtes farbliches Erscheinungsbild. Bei der Beurteilung aller 4 Farbenschläge sind bei den Alttieren in puncto Zeichnung erheblich höhere Ansprüche zu stellen. Mängel in der Gleichmäßigkeit der Bindenzeichnung oder des gesamten Farbbildes sind kritischer zu beurteilen. Die Perlung muss aber auch beim Alttier immer im Rahmen bleiben, es darf also keine „klatschigen“ Federpartien geben. Auch überwiegend weiße Latschenfedern werden gestraft.

 

Isabell-porzellanfarbig

Bei den Isabell-porzellanfarbigen soll die Grundfarbe gleichmäßig und rein rahmgelb sein. Eine bräunliche oder eine fast rahmweiße Grundfarbe sowie ein zu dunkles Graublau in der Tupfung sind ein grober Fehler. Das Gleiche gilt für rostfarbige Einlagerungen auf Rücken und Decken des Hahnes. Die Zeichnung besteht aus graublauen Tupfen und weißen Perlen.

Der Zuchtstand der Isabell-porzellanfarbigen ist allgemein nicht allzu hoch angesiedelt - von einigen Spitzenzuchten abgesehen. Auch die Tupfung ist oft nicht so birnenförmig und geschlossen wie bei den Gold-porzellanfarbigen. Hier ist Fingerspitzengefühl vonnöten.

Bei den Hähnen ist indes eine silberfarbige Säumung in den Behängen ebenso wie eine deutliche Tupfung in den Flügeldecken zu beanstanden. Kritiken sind hinsichtlich der Zeichnungsentwicklung wie bei den Gold-porzellanfarbigen möglich.

 

Zitron-porzellanfarbig

Bei den Zitron-porzellanfarbigen soll die Grundfarbe gleichmäßig zitronengelb sein. Zu blasse, matte oder zu dunkle oder ungleichmäßige Grundfarbe ist ebenso zu rügen, wie rötliche Einlagerungen auf Rücken und Flügeldecken beim Hahn. Allerdings ist hier dem Zuchtstand entsprechend mit Vorsicht vorzugehen, wenn es sich nur um geringere Abweichungen handelt. Der Zuchtstand der Zitron-porzellanfarbigen dürfte unter den 4 vorgestellten Farbenschlägen zzt. noch die größten Defizite aufweisen. Es ist sehr schwierig, das richtige Farbbild zu treffen, das gleichmäßig zitronengelb sein soll. Besonders bei den Hennen ist häufiger eine mehr oder minder große Ungleichmäßigkeit in der Grundfarbe in Rücken, Brust und Flügeln anzutreffen.

Die Form der Tupfen ist wie bei den Isabell-porzellanfarbigen nicht den Anforderungen entsprechend, die wir heute bei gold-porzellanfarbig haben, wenn wir von einigen wenigen Spitzenzuchten absehen. Die allgemein harmonisch breite, gut gerundete Form der Federfüße ist in vielen Zitron-Porzellan-Zuchten unerreicht. Diesem attraktiven Farbenschlag ist ein größerer, engagierter Züchterkreis zu wünschen.

 

                                                   Silber-porzellanfarbig

Die Silber-porzellanfarbigen sind die Jüngsten im Quartett der porzellanfarbigen Farbenschläge. In Anbetracht ihrer relativ kurzen Existenz von etwas mehr als einem Jahrzehnt haben sie nicht nur einen beachtlichen Zuchtstand, sondern auch einen großen Züchterkreis gefunden. Hier liegt eine Meisterleistung des Herauszüchters Ernst Mensinger vor, der in mühevoller jahrelanger Arbeit die Silber-porzellanfarbigen durch diverse, genetisch abgesicherte Kreuzungen herausgebracht hat.

Dieser Farbenschlag hat einen hohen Zuchtstand in allen Rassemerkmalen des Typs, der Kopfpunkte und der Federfüßigkeit erreicht. Er strotzt vor Vitalität, hoher Legeleistung und Fruchtbarkeit, was nicht nur aus eigener züchterischer Erfahrung bestätigt werden kann.

Bei all diesen erfreulichen Fakten ist darauf hinzuweisen, dass an der Verbesserung des Farbbildes noch gearbeitet werden muss. Die geforderte, reine silberweiße Grundfarbe ist nicht bei allen Tieren erreicht. Schon nach dem Beringen kann man z.B. Hennen mit starkem Ruß oder Pfeffer in den neu entwickelten Rückenfedern aussortieren. Bei den Hähnen lässt sich dieser Fehler erst später in den Flügelbinden feststellen, weil diese statt der geforderten silberweißen Farbe ein teilweise durchgehendes Schwarz zeigen, was als Ruß anzusehen ist. Es gibt kaum Tiere, bei denen das Farbfeld der Grundfarbe im Rücken klar abgegrenzt ist von dem schwarzen Tupfen. Die schwarze Farbe läuft in mehr oder minder großem Umfang noch in die Grundfarbe hinein. Das darf in Bezug auf Erreichen des Zuchtziels nicht vernachlässigt werden. Fehler in der Führung der beiden Flügelbinden sind wie bei den anderen Farbenschlägen zu beurteilen.

Es empfiehlt sich grundsätzlich, einige Hähne mehr bis in den Herbst aufzuziehen, denn leider muss man nach dem Sommerurlaub manchmal feststellen, dass der eine oder andere bislang rein weiße Hahn einen gelben Anflug bekommen hat. Die züchterische Hingabe muss sich dann auf die verbliebenen rein weißen Hähne beschränken.

Als fehlerhafte Entwicklung ist die mehr oder minder schwarze Nervzeichnung, besonders auf den Flügeldecken der Hennen, zu bezeichnen. Oft haben diese Tiere jedoch eine feine birnenförmige Tupfung. Natürlich sind auch im Hinblick auf die künftige Zuchtwahl die Hähne entsprechend in der Zeichnungsstruktur zu überprüfen. Die schwarze Nervzeichnung lässt sich bei den Hähnen am besten an den Bindenfedern nachprüfen. Bei all den farblichen und zeichnerischen Schwierigkeiten dieser neuen Züchtung muss in diesem Punkt mit Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. Eine geringfügige Nervzeichnung ist vorerst zu akzeptieren.

Die porzellanfarbigen Farbenschläge bieten sicherlich vielen Züchtern eine Auswahlmöglichkeit. Mit ihrem zutraulichen Wesen sind die Federfüßigen Zwerghühner entsprechend ihrer immer mehr auch in Laienkreisen zunehmenden Verbreitung als ein echtes „Familienzwerghuhn“ zu bezeichnen, über dessen weiteren Weg wir uns keine Sorgen machen müssen.

Georg Aselmann

     (Zuchtwart)                                  zurück nach Aktuelles