Federfüßige Zwerghühner

Die Erzüchtung der Rotgesattelten – ein langer Weg

Der Herauszüchter des Farbenschlages, Reiner Scheer aus Lübau, einem kleinen Ortsteil von Rabenau/Sa., ist schon seit über 35 Jahren passionierter Züchter von Federfüßigen Zwerghühnern. Seit jeher züchtet er den schwarzen Farbenschlag und nebenbei waren es auch die Silber- und Goldhalsigen, die seine Ställe bevölkerten. Ihn hat es immer wieder gewurmt, dass es nicht das Gegenstück zu den Goldhalsigen, die Rotgesattelten gibt. Vor nunmehr 25 Jahren wurde so die Idee geboren, den rotgesattelten Farbenschlag der Federfüßigen Zwerghühner zu erzüchten. Im Jahre 2004 zur Nationalen in Leipzig ist es ihm gelungen, eine sehr ausgeglichene Kollektion in der Abteilung Neuzüchtungen dem BZA zu präsentieren. Durch eine sehr gute Bewertung konnte endlich der langwierige Weg des Zulassungsverfahrens beendet werden und die Anerkennung des 21. Farbenschlages der Federfüßigen Zwerghühner erfolgen. Die Freude bei Reiner Scheer war umso größer, da es ja ein recht langer Weg war.

Die Größe seiner Zuchtanlage in seinem relativ kleinen Gartengrundstück lässt keinen großen Bestand zu. Trotzdem sind seine Wechselausläufe immer grün. Die Stallgröße gibt nur wenig Platz her und deshalb sind seine Hühner auch bei schlechtem Wetter im Auslauf. Umso erstaunlicher ist es, wie er alles auf die Reihe bekommt.

Reiner ist im SV der Federfüßigen Zwerghühner seit vielen Jahren Mitglied, wenn auch nur in passiver Form, aber informativ immer auf der Höhe der Zeit. In der Vergangenheit, als das Ausstellen auf Großschauen für ihn noch bezahlbar war, konnte man Reiners Namen in den Katalogen noch finden. Als Besucher ist er gern auf den großen Schauen, um sich den Zuchtstand seiner Rasse anzusehen.

In der Landwirtschaft tätig, ist er mit seinem Traktor des Sommers in den umliegenden Dörfern unterwegs. Dabei sah er eines Tages sprichwörtlich auf dem Misthaufen eines Bauern einen rotgesattelten Kämpferhahn. Es war eher eine Kreuzung verschiedener Kämpferrassen, aber irgendwie inspirierte ihn dieser Hahn und er erwarb ihn. Natürlich ließ ihn in dieser Zeit seine Idee keine Ruhe und er suchte in der Literatur nach dem richtigen Weg zur Herauszüchtung der Ratgesattelten. Da kam es ihn gerade recht, dass schon goldhalsige Federfüßige Zwerghühner vorhanden waren und er verpaarte den gerade erworbenen Hahn mir goldhalsigen Hennen. Als die ersten Küken schlüpften war die Überraschung groß, als ein Großteil zumindest nicht goldhalsig war. Einige sehr brauchbare Tiere fanden nun in den Zuchtstämmen ihren Platz für die nächste Saison. Durch zielgerichtete Verpaarungen, auch immer mal wieder mit Goldhalsig, konnte der Erbfaktor für Rotgesattelt gefestigt werden. Nebenher durfte aber auch der richtige Federfußtyp nicht vernachlässigt werden, was nicht so problematisch war wie die Farbe. Es kamen auch Jahre mit Misserfolgen, die wenig aufbauend waren. Der Wille, diese Sache zu Ende zu bringen, war bei Reiner aber immer da, wenn man ihn auch manchmal durch gutes Zureden und Mitmachen meinerseits etwas aufbauen musste.

Ein kurzes Experiment, den weißen Farbenschlag einzubinden, schlug fehl, was er zwar schon ahnte, aber erst durch die praktische Erprobung ausschließen wollte. Durch die Zuhilfenahme von Goldhalsigen fielen natürlich viele Hennen mit mehr oder weniger starken braunen Einlagerungen im Mantelgefieder an. Auch ist meist eine rötlichbraune Säumung im Mantelgefieder und eine stark ausgeprägte Flügelrose bei solchen Tieren vorhanden. Von diesen Hennen wurden die Helleren ausgewählt, die dann in der Nachzucht Hähne mit kräftiger Farbe und guter Zeichnung erbrachten. Die wenigen rahmweißen Hennen sind geeigneter für die Ausstellung, vorausgesetzt sie zeigen eine schöne reine Lachsbrust. Sie sind aber auch wichtig für wiederum saubere Hennen in der Nachzucht. Eine wenig in Erscheinung tretende Flügelrose ist erlaubt und steht auch in Verbindung mit dieser reinen Lachsbrust. Bei diesen helleren bzw. saubereren Hennen fallen aber auch immer wieder Tiere mit zu wenig, auch sogar weißgetupfter oder gar keiner Lachsfarbe in der Brust an.

Bei den Hähnen war es wichtig ein intensiv gefärbtes Flügeldreieck, einen blutroten Rücken sowie rahmweißes Brust- und Schwanzgefieder zu erreichen. Es fielen in den Nachzuchten, auch heute noch, viel zu helle Hähne an, die kaum oder gar kein Flügeldreieck und nur wenig Rot- und Goldfärbung zeigten. Diese waren aber absolut sauber in der Grundfarbe. Auch war es wichtig, die Halsbehangzeichnung korrekt, ohne den lästigen weißen Tupfen am Federende bzw. einen nicht durchgehenden Schaftstrich, hinzubekommen. Hähne, die eine intensive Rotfärbung zeigen, haben oft das Problem mit grauer Brust und Schwanzfarbe. Auch sind schwarze Federn im Schwanz bei vielen Hähnen zu sehen, die aber in geringer Anzahl erlaubt sind. Eine Zwei- oder Mehrstammzucht ist derzeit kaum unumgänglich, obwohl man mit den notwendigen unterschiedlich gefärbten Hennen im dementsprechend großen Zuchtstamm auch Glück haben kann.

Die Anerkennungsprozedur begann 1998 in Leipzig zur Nationalen mit der 1. Sichtung. Es folgten noch 2 Sichtungen bis endlich die Genehmigung zum Vorstellungsverfahren kam. 3 Vorstellungen waren nun nötig bis zur Anerkennung. Die Vorstellung zur Nationalen 2002 in Erfurt sollte eigentlich die Letzte sein, da die dort gezeigten Tiere in Reiners Augen schon die Bedingungen erfüllten, aber eben nicht die des BZA-Preisrichters. Das Resultat war eigentlich schon „Aus“ für die Rotgesattelten, die Enttäuschung saß zu tief. Nur durch viel Zureden und Mut machen konnte ich ihn zum Weitermachen überreden, so dass 2004 letztendlich die Zulassung erfolgte.

Reiner hat es geschafft diese Lücke in der schon großen Farbpalette der Federfüßigen Zwerghühner zu schließen, dafür sollte ihm eine Gratulation sicher sein.

Die Rotgesattelten sind sicher für einen Anfänger eine große Herausforderung, sollten aber für einen erfahrenen Fuchs eine sehr schöne Bereicherung sein. Die Meinungen wegen der Erzüchtung neuer Farbenschläge gehen auseinander, eine Negierung in verschiedenen Fällen ist auch berechtigt, aber da dieser Farbenschlag bei vielen anderen Rassen seine Freunde gewonnen hat, warum sollte das bei den Federfüßen anders sein? Nun sollte man auf das Interesse anderer Züchter hoffen, sich dieses schönen Farbenschlages anzunehmen, um diesen aparten Tieren eine erfolgreiche Zukunft zu garantieren. Dem Erzüchter Reiner Scheer wünsche ich viel Glück und Erfolg bei der weiteren Zucht und der Erhaltung seiner Rotgesattelten.

Matthias Friebel

(aus Geflügelzeitung 22/2005)

 

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