Fußbefiederung bei Hühnern

Zu den typischen Merkmalen zählt bei einigen Rassen die Fußbefiederung, die bei der Zucht dieser Rassen besonders zu beachten ist. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten, die Belatschung und die Bestrümpfung. Laut Standard sind von den anerkannten Rassen 17 Rassen in Groß- und Zwergformat sowie 5 Rassen in nur einer Art entweder belatscht oder bestrümpft.

Befiederungsarten

Bei der Bestrümpfung reicht die Befiederung von der Laufaußenseite herunter bis zur Außenzehe. Die Mittelzehe sollte federfrei bleiben. (  )

Bei der Belatschung muss im Gegensatz zu den bestrümpften Rassen die Mittelzehe voll befiedert sein. Auch sollte die Befiederung insgesamt an Lauf und Zehen nicht nur knapp vorhanden sein. Dabei gibt es natürlich rassebedingte Unterschiede. Mit der Laufbefiederung ist die Geierfeder- bzw. Stulpenbildung genetisch gekoppelt. Seit jeher besteht das große Problem wohl darin, bei einigen Rassen mit gefordertem vollem Fußwerk, die möglichst üppige Ausbildung zu erreichen. In den letzten 30 Jahren ist allerdings in den Zuchten vieles erreicht worden, sodass sich allgemein bei den Rassen, wo es verlangt wird, eine volle, feste Fußfeder in der Erbmasse recht gut und gleichmäßig verankert hat. Es gibt sogar Rassen, wo aus der Bestrümpfung schon eine kleine Latsche geworden ist, was meiner Meinung nach nicht richtig ist.

Wer sich mit der Zucht belatschter Hühnerrassen befasst, sollte vorher den Standard der Rasse genau lesen, um nicht bei der Auswahl der Tiere in eine falsche Richtung zu züchten. Nicht das persönliche Gefallen ist entscheidend, sondern der Standard. Dabei sollte man folgende zwei wichtige Faktoren beachten:

  1. Die züchterische Grundlage für ein gut ausgebildetes Fußwerk ist über die zielgerichtete Auslese der Zuchttiere zu erreichen.
  2. Schaffung einer optimalen Umwelt zur Erhaltung und Pflege des Federschmuckes, was bis hin zur Stalleinrichtung geht, besonders bei Rassen mit ausgeprägten Latschen. Dazu gehören breitere Schlupflöcher und Sitzstangen, die nicht bis an die Wand reichen, sondern etwa 5 cm Platz lassen, damit sich die Hühner nachts die Latschen nicht zerdrücken oder verbrechen.

Zur züchterischen Seite gehört vor allem, auf Hennen Wert zu legen, die eine starke Mittelzehenbefiederung aufweisen und bis zur Wurzel der Außenzehe eine gleichsam um den Fuß herum angelegte Befiederung haben. Wichtig ist aber immer, auf eine gut befleischte Zehenanlage zu achten. Je mehr Hautfläche eine Fußbefiederung besitzt, umso kräftiger werden die Federn sein und vor allem sind sie schön überdeckt mit kleineren Federn, wodurch eine entsprechende Latschendichte entsteht.

Als Preisrichter muss man auch darauf achten, dass laut Satzung des BDRG eine Verkümmerung oder das Fehlen der Krallen an den Außenzehen aufgrund genetischer Zusammenhänge kein Fehler bei der Bewertung ist. Man rechnet dazu alle Rassen mit Mittelzehenbefiederung. Bei sonst gleichwertigen Tieren erhält jedoch das Tier mit normal entwickelten Zehennägeln den Vorzug. Dabei ist dennoch die nicht selten vorzufindende Kurzzehigkeit, die trotz zahlenmäßig vollständiger Zehenglieder auftritt, nicht geklärt. Ich bin der Meinung, dass das nicht mit der üppigen Fußbefiederung zusammenhängt. Auch „Engelmann“ schrieb dazu in seinem Buch, dass fehlende Krallen und Kurzzehigkeit in der Entstehung von verschiedenen Genen gesteuert werden. Normal lange Zehen werden aber eine größere Latsche präsentieren und sollten schon deswegen den Vorzug erhalten.

Allgemein haben Brahma, Cochin und die jeweiligen Zwergvarianten sowie Federfüßige Zwerghühner die größten Latschen. Sie zeigen auch die ausgeprägtesten Stulpen, oft mit einer starken, festen Feder am Schenkelgefieder, wobei im Laufe der Zuchtjahre regelrecht eine getrennte Federflur, abweichend zur Normalbefiederung, angezüchtet wurde.

Zur Rassengruppe, die nur Bestrümpfung zeigt, gehören z.B. Croad Langschan, Mechelner, aber auch die Deutschen Lachshühner. Bei diesen Rassen sind nur die Außenzehen befiedert, von Rasse zu Rasse etwas unterschiedlich, aber allgemein mit recht kurzen und dichten Federchen. In fast allen Standards dieser Rassen sind Stulpen als Fehler ausgewiesen. Eine Ausnahme bilden hier die Breda, die eine deutliche Geierfederbildung aufweisen sollen.

Sorgfältige Pflege und sauberer Auslauf!

Die Pflege und Erhaltung des Fußwerkes verlangt vom Betreuer viel Aufmerksamkeit und Sachkenntnis. Jede Beschädigung auszuschließen ist fast unerreichbar. Auch sollten über eine abgebrochene Feder die Preisrichter großzügig hinwegsehen. Denn das ist auch ein Zeichen von Vitalität, wenn die Tiere im Auslauf aktiv sind und nicht nur im Stall sitzen. Wobei trockene, großräumige Ausläufe mit kurzem Graswuchs, aber auch Sauberkeit im Stall und ausgeglichene Fütterung zur Erzielung stabiler Federn viel beitragen.

Zwischen den verschiedenen Rassen und Farben sind verschiedene Federfestigkeiten vorhanden. Bei manchen Rassen kann man die Feder biegen und sie bricht noch lange nicht, bei anderen bricht der Kiel recht schnell. Trotz aller Vorsicht wird es immer wieder Tiere geben, die einige abgebrochene Federn haben.

Noch eine Schlussbetrachtung, da die Hühner mit Federn an den Läufen in letzter Zeit oft in der Kritik standen. Latschen oder eine Bestrümpfung sind nicht hinderlich bei der Bewegung oder im Fortpflanzungsgeschehen, wie manche unbedarften Tierschützer aufgrund emotionaler Momente zu glauben meinen. Vielmehr sind gepflegte Latschen ein Hinweis, dass sich der Züchter um seine Pfleglinge besonders kümmert. Denn bei solchen Rassen sind nun einmal Sachkenntnis, Geduld und Gewissenhaftigkeit im besonderem Maße nötig, will man belatschte Hühner erfolgreich züchten. Die Schönheit dieser Rassen erfreut viele Menschen und belohnt so manche Mühe.

Fritz Schöne

(Geflügelzeitung 1/2006)

 

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