Schauvorbereitung

Kurz Grundsätzliches:
Der in Züchterkreisen weit bekannte Spruch "Ein "V-Tier" züchtet man nicht, das macht man sich!" sollte sich manch Züchter vor Augen halten. Jeder Preisrichter sieht (egal ob auf Orts- oder Bundesschau) den Tieren an, wie intensiv sich der Züchter mit seinen Tieren beschäftigt hat und ist dementsprechend auch bereit die jeweiligen Noten zu verteilen.
Mit Zorn und einem Schmunzeln im Gesicht zugleich betrachte ich auf Schauen Tiere in Kollektionen, die durch absolutes Unvorbereitetsein abstoßend auffallen. Auf der EE-Schau in Leipzig vorigen Jahres war dies besonders auffällig: Zwischen ansehnlichen Tieren sah man vereinzelt  Tiere, bei denen es  jedem "Schönheitsfreak" schaudert. Vom rauem Gefieder über blasse Gesichter bis hin zu apathisch im Käfig herumtobenden Tieren ist hier fast alles zu sehen. Wir Rassegeflügelzüchter sind ÄSTHETEN!!  Wir sollten dies aber auch bitte dem Fachpublikum und der breiten Öffentlichkeit zeigen!
Ziel der Maßnahmen:
Jeder Züchter ist ja bestrebt das gesamte genetische Potential, das den Tieren durch die Eltern mitgegeben wurde voll auszuschöpfen. Dies geschieht durch möglichst Optimalgestaltung vieler Umwelteinflüsse, die vom Züchter beeinflussbar sind, wie Futter, Stallklima, Tageslänge etc.. Auch die Schauvorbereitung würde ich dazu zählen, wobei sie z.T. schon einen Schritt über das genannte hinausgeht. Dies nur mal so kurz zur Wichtigkeit dieser Sache.
Grundvoraussetzungen für spätere Maßnahmen:
Die Schauvorbereitung im weitesten Sinne beginnt mit dem richtigen Schlupftermin der Küken, mit den angestrebten Schauterminen im Hinterkopf. Dann geht es weiter mit der Ausprägung der Zahmheit der Tiere uvm., das jetzt aber den Rahmen sprengen würde. Wichtig ist, dass die Nachzucht regelmäßig selektiert und vom Züchter genau beobachtet und studiert wird und diese Erkenntnisse im Zuchtbuch festgehalten werden. Später, wenn es sich um eine geringere Tierzahl handelt, eignet sich auch eine Stallkartei für jeden Stall. Interessant sind hier neben den phänotypischen Merkmalen, wie Figur oder Zeichnungsentwicklung, auch viele andere Dinge wie Mauserbeginn und und und. Potentielle Ausstellungskandidaten werden auf der Stallkartei vermerkt, um nicht den Überblick zu verlieren.
Im Einzelnen:
Wie gesagt, ist die Vorbereitung auf die Schauen derartig vielseitig und abhängig von der Rasse und dem Farbenschlag, dass es kein einzig und alleinig richtiges Rezept gibt. Deshalb möchte ich hier auch nur die Eckpfeiler meiner Variante darlegen:
Schon geraume Zeit vor Schaubeginn werden die potentiellen Kandidaten in Käfige gesetzt, um später den Käfig als bekanntes Element zu kennen. Anfangs evtl. auch mehrere Tiere pro Käfig. Werden die Hühner vorerst nur tagsüber dressiert, verweilen sie später auch mehrere Tage im Schaukäfig. Dieses Programm wird beliebig lang durchgeführt, bis die Scheu vor dem Käfig ganz und gar verloren ist und sich die Tiere darin ansehnlich präsentieren. Wird es angedacht, einen Stamm oder eine Voliere auszustellen, sind die jeweiligen Vertreter aneinander zu gewöhnen.
Wichtig: Genügend (gewohnte) Einstreu im Käfig, va. bei unseren Rassen mit starker Laufbefiederung. Auch an weiße Kleidung, die den Preisrichterkittel imitiert, sollte gedacht werden. Während dessen die Lieblinge den Käfig erkunden, sind sie einer genauen Musterung des Züchters unterlegen, was Aufschluss über evtl. notwendige spezielle Schauvorbereitungen gibt.
Eine Eigenart unserer Federfüße ist, dass Tiere auftreten, die Handschwingen mit einer aufgerauten, nicht geschlossenen im Extremfall gar zerschlissenen Federstruktur zeigen. Die Ursachen für diese Erscheinung können vielseitig sein: Als erstes ist die Fütterung unter die Lupe zu nehmen; eine ausgeglichene Nährstoffversorgung, v.a. mit den essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin ist sicherzustellen, wobei wahrscheinlich auch Kupfer in dieser Angelegenheit eine Rolle spielt. Aber trotz richtigem Futter neigen oft die Tiere dazu. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen die klimatischen Bedingungen. Dies konnte ich dieses Jahr bei meiner Nachzucht deutlich beobachten: Erst, bei recht trockener Luft zeigte ein Großteil eine offene Schwingenstruktur und mit zunehmender Luftfeuchtigkeit im Jahresgang wurden die Federn geschlossener und nahmen die normale Form an. Dieser Aspekt gibt uns natürlich die Möglichkeit der unberechenbaren Natur per Züchterhand nachzuhelfen und betroffene Tiere mit den Schwingen in klares Wasser zu tauchen. Dies bringt zumeist große Erfolge. Für nicht richtig glatt anliegende Bindenfedern gilt übrigens das Gleiche. Tiere, die trotz alledem keine korrekte Federstruktur in diesen Partien aufweisen können, sind von der Ausstellungs- und Zuchtplanung auszuschließen, damit dieser Makel nicht genetisch gefestigt wird. Der Grad der Ausprägung ist bei diesem Merkmal, wie bei so vielem, letztendlich entscheidend.
Schon mehrere Wochen vor der Schau wird den Tieren spezielles Futter gereicht. Ziel dabei: Die Hennenmannschaft sollte zum Schautermin die ersten Eier legen. Hier ist ein enormes Maß an Fingerspitzengefühl notwendig, auch was die absolute Federfertigkeit angeht. Wenn die letzten Federn geschoben sind, kann mit dem Putzen begonnen werden, was bei den gezeichneten Farbenschlägen eine Wissenschaft für sich ist. Wichtig hierbei: Nicht ein Tier nur einmal putzen, sondern etappenweise, da so die Federn wieder gerichtet werden und so eine höhere Putzgenauigkeit erreicht werden kann. Auch Krallen und Schnabel werden geschnitten und gefeilt. Hervorragende Berichte zur Pflege dieser Körperpartien wurden von Prof. Schille in der Geflügelzeitung veröffentlicht.
Es folgt am Freitag und/oder Sonnabend vor dem Schauwochenende ein Vollbad ALLER für die Schau geplanten Hühner. Diesem Schritt schreibe ich allerhöchste Bedeutung zu; egal bei welcher Rasse und welchem Farbenschlag. Leider wird diese Vorbereitung von viel zu wenig Züchtern aufgrund des Arbeitsaufwandes genutzt. Das Vollbad bei richtiger Durchführung bringt Typverbesserungen, super strahlende Farben, eine schöne Feder und einen bestechenden Gesamteindruck – eine dementsprechende Tierqualität sei natürlich vorausgesetzt. Das Putzen ist größtenteils beendet, damit die Tiere nach dem Baden ihr Federkleid endgültig richten können.
Beim Waschen ist es von Bedeutung, dass nach dem 1. Waschgang mit Zusatz die Tiere noch mal mit klaren Wasser abgespült werden. Nach Möglichkeit sollten die Tiere früh gebadet werden, wodurch tagsüber die Möglichkeit der Federkleidpflege und –richtung durch die Tiere selbst besteht. Meine Hähne (wenn möglich auch die Hennen) werden auf eine Sitzstange gesetzt, wodurch die Schanzpartie frei hängt und so nicht verbogen wird, wie es im Käfig oder Karton auftreten kann.
Nach dem Waschen treten zum Teil leicht offene Schwingenstruktur und ein in der Feder nicht 100%ig geschlossenes Flügeldreieck auf, was aber durch Spülen der betroffenen Stellen mit klarem Wasser behoben wird.
Im Endspurt werden die Tiere wiederum genau gemustert, ob doch nicht zu verändernde Maßnahmen ergriffen werden müssen. Möglichkeiten gibt es ja viele.
Ein Wort zum Parasitenbefall: Der Preisrichter möchte bitteschön nur ein Tier im Käfig! Außerdem besitzt der BDRG noch keine Standarte für dieses Kleingetier…. Nein aber im Ernst: Bitte stets den Bestand auf Ungeziefer kontrollieren, damit nicht erst auf der Ausstellung das böse Erwachen kommt.
Gesundheitsbezogene Maßnahmen sind bei mir im Wesentlichen, dass den Tieren in den Tagen vor der Schau und beim Einsetzen ein Kolostrumextrakt gereicht wird. Dies ist ein absoluter Fittmacher und sorgt für Hochform. Um diversen Atemwegsproblemen während und nach der Schau vorzubeugen, wird beim Einsetzen der Oberschnabel mit Esothros-Atemöl, ein Gemisch aus 17 versch. ätherischen Ölen, eingerieben. Beide Produkte beziehe ich von  PerNaturam Töllner. Auch sollte daran gedacht werden, dass den Tieren während der Schau, aber nach der Bewertung, das gewohnte reichhaltige Futter gereicht wird. Halbierte Äpfel verringern den Langeweilefaktor an den Schautagen. Knoblauch, Zwiebeln, Spitzwegerich, Pfefferminze im Weichfutter tragen zur allgemeinen Vitalität bei und schützen vor Erkältungskrankheiten und weiteren Atemwegsproblematiken.
Einen Tag vor dem Einliefern werden die Kämme und Schnäbel mit klaren Wasser und einer kleinen, nicht zu harten Bürste vorsichtig gebürstet, um lockere Hautpartikel zu entfernen. Anschließend wird Kamm, Gesicht, Ohrlappen und Schnabel mit Alkohol eingerieben. Vor dem Einkisten in die Transportbehälter am Folgetag werden die genannten Körperteile mit Picosalb von der Firma Klaus eingerieben.
Der allerletzte Part, der wohl eher als Bewertungsvorbereitung zu betiteln ist, ist ein sachliches und ruhiges Einsetzen der Tiere in den Käfigen auf der Schau. Unverständnis kommt bei mir auf, wenn man Zuchtfreunde beobachtet, die bestrebt sind, ihre Tiere schnellstmöglich in den Käfig zu verfrachten ohne jegliche Umsicht und Achtung.
Eine ordentliche Versorgung muss sichergestellt werden. Da die Tiere meist eine längere Zeit nichts gefressen haben, neigen manche Vertreter zu allzu hastigen und übermäßigen Fraß und da es sich meist um Körnerfutter handelt, folgt ein Unwohlsein aufgrund des überdehnten Kropfes. Also: Auf den Bedürfnissen abgestimmte Futtermenge im Ausstellungsbecher achten.
Evtl. durch den Transport in Mitleidenschaft gezogene Federn entweder entfernen oder wieder zurecht rücken…

Handmusterungen sind ein unersetzbares Element der Qualitätskontrollen

Sind Stamm- oder Volierenpräsentationen geplant, ist eine Gewöhnungsphase angebracht

Die typische Federfußfigur muss im Käfig deutlich erkennbar sein

Solch rassige Jungtiere bekommen durch richtige Vorbereitungsmaßnahmen den letzten Schliff

Auslaufbeobachtungen geben u.a. Aufschluss über die Formanlagen

Gute Erfolge bei allen Schauen wünscht

Ruben Schreiter (Jugendbeauftragter des SV)

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