Orangehalsige Federfüßige Zwerghühner

Eine weitere Blume im Strauß der Mille Fleur

 

Wer kennt sie nicht, die allseits gerundeten kleinen „Puppen“ mit ihrer vollen Fußbefiederung, den ausgeprägten Stulpen und der stolzen Haltung, die auf fast keiner Ausstellung in Deutschland fehlen.

Waren es früher zumeist die Gold-porzellanfarbigen, die so genannten Mille Fleur, die wegen ihrer Farbenpracht oft bewundert wurden, so kamen im Laufe der Jahrzehnte viele neue Farbenschläge hinzu und demonstrieren so die Beliebtheit der Federfüßigen Zwerghühner. Das führte von den getupften und einfarbigen Varianten, über die Abwandlungen der Wildfarbe und jene mit Columbiafaktor, zu mittlerweile 22 anerkannten Farbenschlägen. Da ich an der Anerkennung des derzeit jüngsten Farbenschlages nicht ganz schuldlos war, möchte ich im folgenden Beitrag meine Erfahrungen zum Besten geben.

 

Aller Anfang ist … manchmal nicht schwer

Eigentlich waren die „halsigen“ Farbenschläge der Federfüßigen Zwerghühner nicht unbedingt meine Favoriten. Und gleich gar nicht dachte ich an einen neuen Farbenschlag in dieser Richtung, wie die Orangehalsigen, um die es in diesem Beitrag gehen soll. Doch manchmal kommt man eben zu etwas wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind.

Alles begann damit, dass Vincent, mein Sohn, neben seinen gelben bärtigen Federfüßigen Zwerghühnern plötzlich orangehalsige Zwerg-Phönix haben wollte. Das war mir als eingefleischtem „Federfuß-Züchter“ natürlich gar nicht recht, schon auf Grund der unterschiedlichen Bruttermine und Bedürfnisse in der Aufzucht. So versuchte ich den Wunsch auszusitzen, nach dem Motto: „die Zeit wird’s schon richten“.

Dabei kam mir 2005 ein glücklicher Umstand zu Hilfe. Auf der Suche nach zwei goldhalsigen Hennen für ein anderes Projekt wurde ich bei der Züchterfamilie Lützner im sächsischen Kurort Hartha fündig. Bei einem Besuch sah ich dort neben den goldhalsigen auch einige orangehalsige Tiere. Auf Nachfrage erhielt ich die Auskunft, dass diese aus den Goldhalsigen gefallen waren, aus Platzgründen aber eine separate Zucht, geschweige denn Anerkennung, nicht angestrebt wurde.

Da war sie doch, die Lösung für mein Problem! Aber das wurde mir erst später klar. Ich selbst nahm die Tiere nur am Rande wahr, wie gesagt, die „Halsigen“ waren nicht unbedingt meine Favoriten. Doch als ich Vincent davon erzählte, war er natürlich Feuer und Flamme, und so wanderten zuerst 5 Jungtiere und später noch einmal 1,2 Alttiere von Sachsen nach Brandenburg und bildeten die Ausgangsbasis zu den später im Vorstellungsverfahren gezeigten Tieren.

Apropos Vorstellungsverfahren, auch hier spielte im positiven Sinne Kommissar Zufall mit. Denn nach einigen Recherchen stieß ich darauf, dass der Farbenschlag, zumindest auf dem Papier, in der Slowakei anerkannt ist und damit in der EE-Farbenschlagliste geführt wird. Das ersparte uns das Sichtungsverfahren und wir konnten die Tiere zur Zwerghuhnschau 2006 in Münster im Vorstellungsverfahren präsentieren. Die erforderlichen 1,1 alt und 3,3 jung hatten wir gemeldet, doch ich hatte Bedenken, da die Hähne alle noch nicht ausgereift waren. So gab es hier auch dreimal g und sg für den Althahn. Aber die Hennen überzeugten mit dreimal sg und so stand einer Anerkennung nichts mehr im Wege.

 

Erste Erfahrungen

Mit der Anerkennung war aber nur der erste Schritt vollzogen, die planmäßige Verbesserung der Qualität und die Gewinnung von Mitzüchtern sind weitere wichtige Schritte, um einen neuen Farbenschlag zu etablieren. Doch die weiteren züchterischen Erfahrungen mit dem Farbenschlag begannen gleich nach der Anerkennung mit einem herben Rückschlag.

Wie geschildert, hatten wir Tiere übernommen, die aus Goldhalsigen „gefallen“ waren. Daraus zogen wir im ersten Jahr 37 Küken auf, die alle Orangehalsig waren. Erfreut darüber, ging ich davon aus, dass die Tiere auch in Zukunft weiter rein vererben. Doch weit gefehlt! Das Zuchtjahr 2007 belehrte mich eines Besseren, denn plötzlich spaltete die Nachzucht auf, in Orange-, Gold- und sogar einzelne Silberhalsige. Beim Studium der Literatur, die zum Thema Vererbung der Hühner nicht gerade üppig vorhanden ist, ergab das Auftauchen der Goldhalsigen eine gewisse Logik. Nicht jedoch der Auftritt der Silberhalsigen, ist doch allgemein bekannt, dass Silber genetisch dominant über Gold- und dessen Verdünntfarbe Orange ist. Somit hätte das Silber bei den Elterntieren eigentlich sichtbar sein müssen, tat es aber nicht. In wieweit hier ein anderer Vererbungsfaktor eine Rolle spielt (Zfr. Lützner sprach davon, dass in seine goldhalsigen Ausgangstiere einst evtl. perlgraue eingekreuzt wurden) vermag ich nicht zu sagen.

Vielleicht kann zu diesem Thema jemand Licht ins Dunkel bringen, ich würde mich über jede weiterführende Information freuen.

Übrigens entpuppten sich die reinen Silberhalsigen später alle als Hennen, die dazugehörigen Hähne ähnelten mehr den Silberhalsigen mit Orangerücken mit leicht cremefarbigen Behängen.

Um ganz sicher zu gehen, dass das Vorjahresergebnis kein Zufall war, tätigten wir nur mit den Alttieren noch eine Spätbrut im Juni, die wieder zu 100 Prozent orangehalsige Küken erbrachte.

 

Anforderungen an Farbe und Zeichnung

Im Prinzip zeigen die Orangehalsigen die gleichen Zeichnungs- und Farbanlagen wie die Gold- und Silberhalsigen. Die drei Farbenschläge unterscheiden sich lediglich in der Hals- und Sattelfarbe des Hahnes und im Halsbehang der Hennen. Dazu kommen unterschiedliche Nuancen in der Mantelfarbe der Hennen von wärmeren Braun- bis zu eher Grautönen der Silberhalsigen. Die ausführlichen Beschreibungen dazu können dem Standard entnommen werden.

Unterschiede zeigen sich bei genauem Hinsehen schon in der Kükenzeichnung. Während die Goldhalsigen warme Braun- und Gelbtöne zeigen, sind die Orangehalsigen in den helleren Flaumpartien blaugrau überhaucht und die Silberhalsigen noch einen Stich grauer.

Um das Ideal des Standards zu erreichen, bedarf es natürlich noch einiger züchterischer Arbeit. Wie sollte es auch anders sein bei einem neu zugelassenen Farbenschlag.

Probleme bereitet derzeit noch die rein grün glänzend geforderte Bindenfarbe der Hähne. Oft zeigt sich darin noch Blaulack oder gar violette Bänderung, was aber auch bei den Goldhalsigen leider noch verbreitet ist; und das nicht nur bei den Federfüßigen Zwergen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das rein hellgelbe Flügeldreieck. Oft zeigt sich hier im oberen Bereich noch zu viel Braun. Im Vergleich fällt auf, dass dies auch bei den schon länger anerkannten orangehalsigen Varianten anderer Rassen zu sehen ist. Als Vorbild können hier die Zwerg-Italiener gelten, die oft ein rein hellgelbes Flügeldreieck aufweisen.

Wichtig wird in den nächsten Jahren auch sein, das richtige Mittelmaß bei der Decken- und Rückenfarbe der Hähne zu finden, was meiner Erfahrung nach mit dem Flügeldreieck zusammen hängt. Denn haben die Tiere ein annehmbares Flügeldreieck, ist die Rücken-, Schulter- und Flügeldeckenfarbe eher gelb. Ist das Flügeldreieck zu braun, sind besagte Bereiche eher rostrot, statt wie gefordert orangerot. Seltsamerweise zeigen aber gerade die hellsten Hähne oft eine rußige Halszeichnung.

Bei den Hennen gilt es, eine feine, gleichmäßige Rieselung zu erreichen und zu festigen. Hier zeigt sich noch eine gewisse Bandbreite. In wieweit man aus der Jugend-Flügelzeichnung der Hähne Rückschlüsse auf die Vererbung einer korrekten Rieselung bei den Hennen schließen kann, wird Gegenstand weiterer Beobachtungen sein. Sicher gibt es hier Parallelen zu den Goldhalsigen.

Relativ gut verankert war von Anfang an die typische Form, mit ausgerundeter Rückenlinie und breiter, voller Brust. Hier kommt natürlich zugute, dass zur Erzüchtung keine andere Rasse mit abweichenden Merkmalen notwendig war. Keine Probleme bereiten auch die ausgeprägte Latschenbildung, mit voller Mittelzehenbefiederung, und die deutlichen Stulpen. Angenehm fällt auch der gleichmäßige Kammschnitt mit breit angesetzten Zacken auf. Hier gab es in den zwei Nachzuchtgenerationen nur wenige Ausfälle.

Da Form, Fußwerk und Kopfpunkte gefestigt scheinen, kann somit das ganze Augenmerk in den nächsten Jahren auf die Verbesserung der farblichen Aspekte gerichtet werden. Zudem ist Orangehalsig eine ansprechende Farbgebung und so hoffen wir, dass in den nächsten Jahren einige Mitstreiter dazu kommen werden, um die Zuchtbasis zu verbreitern.

Mittlerweile bin ich froh, dass wir sie und einige Goldhalsige in unserem Bestand haben. Denn als Preisrichter lernt man nie aus und es kann nicht schaden, sich einmal in der Praxis mit den Feinheiten der Rieselung und Nervzeichnung auseinander zu setzen, um die entsprechenden Farbenschläge auf Ausstellungen auch sattelfest beurteilen zu können.

 

André Mißbach (entnommen aus der Geflügelzeitung 8/2008)

 

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