Vom Traum der pastellfarbigen Püppchen

 

Isabell-porzellanfarbige Federfüßige Zwerghühner im Porträt

 

In der Palette der verschiedensten Farb- und Zeichnungsvarianten unseres Rassegeflügels entsprechen nicht alle Farbtöne dem Geschmack des einzelnen Züchters. Einige Farbenschläge sagen fast Jedem zu, andere hingegen spalten das subjektive Schönheitsempfinden der züchterischen Masse. Hierzu gehört zweifelsfrei die Isabellfärbung bei Hühnern und Tauben, wie man sie bei Brünner und Sächsischen Kröpfern oder Berliner Kurzen und im Hühnerreich bei Antwerpener Bartzwergen, Ruhlaer Zwerg-Kaulhühnern oder Federfüßigen Zwerghühnern antrifft.

Letztgenannte Spezies sollen das Thema der folgenden Ausführungen sein.

 

Entstehung des isabell-porzellanfarbigen Farbenschlags

Aus gegenwärtiger Sicht kann man es als erwiesen ansehen, dass es sich hier um eine Mutation des gold-porzellanfarbigen Farbenschlages handelt. Zunächst trifft man bei den Isabell-porzellanfarbigen auf exakt die gleichen Zeichnungsanlagen, wie bei den Gold-porzellanfarbigen, d.h. im Mantelgefieder der Henne und auf der Brust des Hahnes auf jeder Feder Grundfarbe, Tupfe und Perle im klassischen Wechsel. Lediglich die farbliche Abstufung der Zeichnungselemente differiert zwischen den beiden Farbenschlägen. Das mutative Entstehen wird uns auch heute noch vor Augen geführt. So kommt es nämlich in einigen Linien der Gold-porzellanfarbigen zum gelegentlichen Auftreten von „blau-porzellanfarbigen“, mir bekannt aus den Zuchten von Karl-Wilhelm Bohne, Bernhard Hecker und Ernst Mensinger. Diese wirken im gesamten Farbbild derber als die heutigen Isabell-porzellanfarbigen, sie besitzen eine kräftigere Grundfarbe und eine eher aschgraue Tupfenfarbe. Ihre Federstruktur ist nicht vollkommen glatt und die Hähne besitzen raue Flügeldecken mit nicht geschlossenen Federfahnen und verkümmerten Federn. Diese Mutanten pflanzten sich nun verstärkt untereinander fort, was ein stetes Bestehen dieser Farbe mit sich brachte. Somit besteht dieser Farbenschlag beinah solang wie der gold-porzellanfarbige. Im weiteren Verlauf der Reinzucht kam es zur Verdrängung der rauen Flügeldecken und die Federstruktur wurde zunehmend fester und glatter. Dabei blieb aber ein gewisses Defizit bezüglich Federbreite bzw. der rauen Flügeldecke weit bis ins 20. Jahrhundert hinein bestehen. Ernst Mensinger zufolge waren die ausgestellten Tiere des im 2. Viertel des 20. Jahrhunderts führenden Züchters Peter Johnen aus dem Rheinland stets aus gold-porzellanfarbigen Eltern stammend. Raue Flügeldecken der Hähne waren also noch Normalität. Erst in den 50er Jahren auf einer Nationalen in Frankfurt bekam Zfrd. Mensinger die ersten Hähne mit geschlossener Flügeldeckfederstruktur zu Gesicht. Sie stammten aus der Zucht von Zfrd. Schwab aus Kaiserlautern. Mein lieber Ernst kommt heute noch ins Schwärmen, wenn er von der Federqualität, der exakt geschnittenen und himmelblauen Tupfung jener Tierchen berichtet, bedauert es aber zugleich, dass es mit Zfrd. Schwab nie zum Tieraustausch gekommen ist. Erst durch Baron von Sanders aus Hamburg gelangte Ernst Mensinger zu Tieren dieses Farbenschlags. Doch so recht zufrieden war man damals mit der Qualität der Isabell-porzellanfarbigen nicht. Mit langen, schlanken Körpern bei abfallender Rückenlinie und schmal getragenen Schwänzen konnte sich kaum ein Züchter anfreunden und somit war die Züchterbasis in Ost und West klein. Beispielsweise waren auf der HSS des SV´s 1985 lediglich 18 und zur HSS der SZG 24 damals noch Blau-porzellanfarbige zu sehen (zum Vergleich: Gold-porzellanfarbige waren mit 143 bzw. 161 Exemplaren vertreten). Einen Meilenstein in der Verbesserung der Form setzte Ernst Mensinger durch die Einkreuzung von Zitron-porzellanfarbigen. Da die Isabell-porzellanfarbigen, neben den Gold-porzellanfarbigen und Weiß-schwarzcolumbiafarbigen, Pate bei der Entstehung zitron-porzellanfarbiger Federfüße standen, lag der Gedanke dieser Verpaarung durchaus nahe. Erwähnt sei dabei, dass sich letztgenannter Farbenschlag zu dieser Zeit durch erstklassige Figuren auszeichnete. Bereits im Folgejahr der Einkreuzung 1994 erntete Ernst Mensinger in Hannover mit dem Blauen Band auf seinen schmucken V-Hahn, nebst den 2 weiteren hv, den Lohn für den eifrigen Tatendrang. Und nun waren sie, zumindest in der Qualitätsspitze, vorhanden: Volle, kurze Federfußtypen mit hohlrunder Rückenlinie bei ordentlichen Farb- und Zeichnungsattributen.

 

Kurzrunde Püppchen

Heute treffen wir auch in diesem Farbenschlag auf Vertreter, die die Rassekriterien eines erstklassigen Federfüßigen Zwerghuhns bis ins letzte Detail erfüllen, wobei selten alle Kriterien an einem Tier wieder zu finden sind. Obgleich bei dieser Rasse besonders nach zeichnungstechnischer Perfektion, v.a. in den Porzellanfarbenschlägen, gestrebt wird, ist die charakteristische Federfußfigur ein Muss. Die Grundlage für die vielen figürlichen Feinheiten bilden allseits abgerundete Körperkonturen, dies v.a. in Bezug auf Ober- und Unterlinie. Die Unterlinie wird durch einen fast mittelhoch wirkenden Stand gewährt. Mittelhoch wirkend, da unsere Federfüße aus anatomischer Sicht höher stehen, als es im Gesamteindruck eines Tieres zur Geltung kommt. Dieser Schein wird durch die markante Stulpen- und Fußbefiederung hervorgerufen. Mit dem Stand harmoniert eine breite, volle und dabei etwas vorgewölbte Brustpartie. Betrachtet man das seitliche Profil nach dem Kehlschnitt, so besitzen Tiere, die eine volle Vorwölbung mit ausgeprägter Unterbrust zeigen und dann in geschwungener Linie in die Schenkelpartie übergehen, besondere Ausdrucksstärke. Eine gefülltere Unterbrust wünscht man sich v.a. beim männlichen Geschlecht des öfteren. Die Standhöhe passt beim Großteil der Tiere. Vertreter, die neben wenig Brustfülle auch dürftige Laufbefiederung zeigen, erwecken einen stelzigen Eindruck, der auf Ausstellungen als Mangel gerügt wird. Gleiches gilt für schmalrümpfige Exemplare, die somit der Standardforderung nach einem breiten, kurzen Rumpf nicht nachkommen können. Auf dem Rumpf sitzen die recht fest anliegenden Flügel, deren Bug sich in die breite Brust einschmiegt. Die Flügelhaltung verläuft parallel zu den Stulpen, wodurch die Flügelspitzen hinter den Stulpen getragen werden.

Der Hauptkritikpunkt in figürlicher Hinsicht ist die hohlrund geforderte Rückenlinie. Um diese in Vollendung präsentieren zu können ist ein abgestimmtes Zusammenspiel von vollem Halsgefieder, hohlrunder Rückenausformung, ausreichend Sattelfülle und steigender Schwanzhaltung vonnöten. Ist einer dieser Parameter nicht in entsprechendem Maße vorhanden, stört es den gesamten Eindruck der Rückenlinie. Ein kurzer Rücken, der durch seine reiche, auspolsternde Befiederung den Grundstock für die typische Oberlinie liefern muss, geht fließend in den angezogenen Schwanz über. Ein fülliger Sattel mit ordentlicher Breite hilft der optimalen Rückenausformung enorm, ist aber bei nicht wenigen Tieren noch nicht ausreichend vorhanden. Sich stark verjüngende Körper in der Draufsicht sind fehlerhaft. Nicht abgedeckte Schwanzübergänge bei den Hähnen resultieren oftmals aus unzureichender Käfiggewöhnung, zu stark gewinkelter Schwanzhaltung oder reichlich vorhandenem Flaum in dieser Federregion und dienen als Abstufungspunkt. Ein beträchtlicher Teil der Hennen benötigt noch etwas mehr Schwanzanstieg. Flach getragene Steuern machen das Überwinden der sg-Hürde unmöglich. Deshalb besitzen Hähne, die etwas überziehen durchaus Zuchtwert, da sie in der Hennennachzucht letztgenanntes Defizit verbessern können. Hoher Bedeutung schenkt man dem Schwanzaufbau: Um eine wirklich breit getragene Steuerpartie in Perfektion erreichen zu können, muss der Schwanzansatz breit aus dem Körper kommen. Nur wenn dieser breite Schwanzansatz gegeben ist, werden Tiere mit voller, breiter Steuerpartie der Standardformulierung unter Schwanz „etwas gefächert“ gerecht. Ein Tier mit schmalem Schwanzansatz kann nur eine breite Steuerpartie erreichen, indem es die Steuern zu stark fächert. Solche gespreizten Steueranordnungen ermöglichen im Extremfall, dass man von der Seite aus zwischen den einzelnen Steuern durchschauen kann. Gespreizte Steuerstellung zieht die Note „g“ nach sich. Der andere Extremfall, der ebenfalls nicht selten anzutreffen ist, ist die zu spitze Schwanzhaltung. Hier schieben sich die unteren Steuern fast gänzlich unter die oberen Steuern und verlaufen nicht parallel zur oberen Steuer. Die Steuerpartie besitzt somit im oberen Drittel nicht ausreichend Breite. Zwischen diesen zwei Extremen liegen natürlich noch eine Vielzahl anderer kleinerer Abweichungen vom Ideal, die in der Kritikgestaltung als Wunsch angesehen werden. Es gilt also immer: Im Käfig nicht optimal fächernde Vertreter werden nie den Weg in die Spitze finden. Es kommt eben darauf an sich im richtigen Augenblick in Positur zu bringen und der Preisrichter ist gebannt von soviel Schönheit. Bezüglich der breiten Schwanzpartie liegen Tiere mit mehr als 6 Steuern plus Hauptsichel bzw. obere Schwanzdeckfeder natürlich im Vorteil. Durchweg noch verbesserungswürdig ist die Federbreite der Nebenbesichelung der Hähne. Die säbelförmigen Hauptsicheln des Hahnes überragen die oberen Steuern um 2 bis 3 cm. Der Standard gibt als Obergrenze „bis zu 4cm“, was auch tatsächlich nicht übertroffen werden darf, ansonsten folgt ein Punkteabzug. Hähne mit überlangen Hauptsichel neigen ohnehin zu einer sichelförmigen, anstatt säbelförmigen Hauptsichelform. Dies ist ein unserer Rasse abtrünniges Merkmal.

Soweit zu den Primäranforderungen an die Figur, die bei der Qualitätseinstufung eines Tieres stets im Vordergrund stehen, denn die Form charakterisiert die Rasse. Ein weiteres Augenmerk schenkt man den Kopfpunkten. In erster Linie fordern wir einen Kopf, dessen einzelne Bestandsteile aufeinander abgestimmt sind und harmonisch zum gesamten Körper passen. Im Mittelfeld steht das leuchtend orangerote bis roten Auge, das selten Anlass zur Kritik gibt. Fest auf dem Schädel sitzt der fein strukturierte Einfachkamm. Zu fleischige Kämme und beulige Kammblätter verderben jeglichen Kopfadel. Aus dem nicht zu hohem Kammblatt ragen 4 bis 6 gleichmäßig breit angesetzte Kammzacken. Eine nicht zu schmale Kammfahne folgt der Nackenlinie ohne diese zu tangieren. Die Kehllappen als Bewertungskriterium haben in den vergangenen 15 Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Der gegenwärtige Zuchtstand bringt nicht überdimensioniert große, runde Kehllappen mit sich. Auf glatte Kehllappensätze am Gesichtsfeld und nicht aufklappende Kehllappenfronten ist weiterhin zu achten. Das Gesichtsfeld inklusive Ohrlappen muss intensiv rot erscheinen, andernfalls wird dies im männlichen Geschlecht rigoros gestraft. Gleiches gilt bei den Hennen für Emaille, wohingegen leichte Ohrblässe mit Fingerspitzengefühl zu werten ist. Nicht zuletzt spielt der Erregungszustand des Exemplars eine nicht unerhebliche Rolle.

Im namensgebenden Merkmal, der Fußbefiederung gibt es heute kaum noch Ausfälle. Wie bei belatschten Rassehühnern üblich, befinden sich an der Mittel- und Außenzehe dichte Latschenfedern, des weiteren findet man eine volle Stulpenbefiederung. Als Grundgerüst für die Fußbefiederung werden stabile und voll ausgeprägte Zehen benötigt. Gerade die Außenzehen müssen vollgliedrig vorhanden sein. Ein fehlendes Außenzehenglied stellt eine Skelettdeformation dar, was die Wertung als Ausschlussfehler nach sich zieht. Wenig stabile Außenzehen neigen verstärkt zur Verkrümmung, welche ja wiederum fehlerhaft ist. Hinter-, Mittel- und Innenzehen werden bedingungslos mit Kralle verlangt. Anders verhält es sich mit der Außenzehenkralle. Die AAB gestatten, dass Tiere mit fehlender Außenzehenkralle lediglich von den Bewertungsnoten hv und v ausgeschlossen werden. Bei der Bewertung von Tieren mit 0 bzw. 90 bis 95 Punkten besitzt die Außenzehenkralle keinerlei Relevanz. Speziell die Isabell-porzellanfarbigen besitzen bezüglich der Außenzehenkrallen noch Defizite, da in vielen Zuchten 20% bis 60%  der Nachzucht keine vollständigen Außenzehenkrallen aufweisen. Beständig zielstrebige Zuchtarbeit wird hier in Weitsicht Verbesserungen mit sich bringen.

 

Die bärtige Variante - eine Rarität

Neben den geläufigen Federfüßigen Zwerghühnern ohne Bart existiert auch seit geraumer Zeit die bärtige Variante in diesem Farbenschlag. Besonders verdient gemacht hat sich in der Gegenwart unser Zfrd. Kurt Klose, der in den vergangenen Jahren Spitzenvertreter der Bärtigen zeigte. Verlangt wird ein voller Kinn- und Backenbart, den man sich bei den männlichen Vertretern oftmals noch üppiger wünscht, wobei hier keine Maßstäbe a la Antwerpener Bartzwerge etc. gesetzt werden können. Durch letztgenanntes Merkmal kommt es zur fast vollständigen Reduktion der Kehllappen und zur Aufbauschung des Hinterhalsgefieder, der sog. Mähne.

 

Besonderer Reiz – die exakte Zeichnung

Die Zeichnungselemente des isabell-porzellanfarbigen Farbenschlages beruhen auf 3 Farbkomplexe, der Grund-, Tupfen- und Perlenfarbe. Als Grundfarbe sieht der Standard rahmgelb vor. Zartblau verlangt man die Tupfenfarbe. Die wirklich perfekte warme, zartblaue Tönung sieht man derzeit nur gelegentlich. Hartes aschgrau-blau macht auf der gesamten Tupfung wenig her und bringt des weiteren hässliche schwärzlich blaue Streifen in die Bindentupfen und die Nebenbesichelung der Hähne. Dieses Manko sollte in Zukunft mehr Beachtung finden. Den Farbkreis schließt die rein weiße Perle.

Bezüglich der Zeichnung treffen wir bei diesem Farbenschlag auf einen Geschlechtsdimorphismus. Geschlechtsdimorphismus (auch Sexualdichroismus) heißt, dass in der Ausprägung der Zeichnung zwischen den Geschlechtern markante Unterschiede vorzufinden sind. Beide Geschlechter haben im Halsbehang und der Hahn weiterhin im Sattel einen mehr oder minder stark ausgeprägten zartblauen Schaftstrich der von Grundfarbe eingerahmt ist. Sperberung und Silberanflug im Oberhalsgefieder sind Einhalt zu gebieten. Die Farbe der Steuern und der Nebenbesichelung / Schwanzeindeckung ist zartblau. Lediglich die Hauptsichel / obere Schwanzdeckfeder ist teils schmal rahmgelb eingefasst. Auch spielt, von der Schwanzeindeckung verdecktes Rahmgelb in den Steuern keine Rolle.

Die Latschen- und Stulpenfarbe ist überwiegend rahmgelb und zartblau und wird toleriert solang keine Federn auftreten, bei denen weiß überwiegt. Rahmgelb ebenfalls die äußersten zweidrittel Außenfahne der Schwingen, die sonstige Feder zartblau und die Federspitze weiß. Dadurch bilden die Armschwingen das rahmgelbe Flügeldreieck. Färbt sich bei Alttieren die Außenfahne blau, ist kein reines Flügeldreieck vorhanden. Dies wird (bei bis zu 2 oder 3 Schwingen pro Flügel) als Wunsch vermerkt. Züchterischer Wert ist auf ausreichend blauer Farbe in der Innenschwungfahne zu legen. Soweit zu vielen grundlegenden Zeichnungsmerkmalen.

Das Nonplusultra seit jeher ist die Tupfenzeichnung. Sie dominiert und prägt das Zeichnungsbild. Die entsprechenden Federn tragen hierbei die 3 Elemente Grundfarbe, Tupfe und Perle in den bereits beschriebenen Farbgebungen, deren Anordnung auf dem beigefügten Foto zu erkennen ist. Störend empfindend man Blautöne in der Grundfarbe. Der Anteil an Grundfarbe auf der festen Federfahne beträgt rund 2/3. Die sich im oberen Federdrittel einschmiegende Tupfe ist im Idealfall birnenförmig. Zum Federschaft hin schließt sich dieser Tupfen. Viele Exemplare kommen dieser Forderung leider noch nicht nach. Bei ihnen spricht man dann von offener / eingerissener Tupfung (auf Fotomitte) oder ungleichem Tupfenansatz (auf Foto rechts). An der Federspitze finden wir die Perle wieder, die möglichst scharf vom Tupfenblau abgegrenzt sein sollte und keinesfalls das Federende saumartig umfassen darf. Bei Jungtieren ist die Perle teils nur angedeutet, nimmt aber im Alter zu. Diese zunehmenden Weißanteile mit steigendem Alter kann man als negativen Altersmelanismus bezeichnen. Der Primus der genannten Zeichnungskriterien liegt in der gleichmäßigen Verteilung der Tupfung über den gesamten Körper hinweg. Spitzentiere zeigen ein von Kopf bis Fuß harmonisches Zeichnungsbild, bei welchem das Verhältnis von Grundfarbe zu Tupfe und Tupfe zu Perle über den ganzen Körper konstant verteilt ist. Starke Wechsel zwischen großen und kleinen Tupfen bzw. Perlen sind unschön und sollten bei der Bewertung berücksichtigt werden. Das erläuterte Zeichnungsbild treffen wir bei Hahn und Henne von der Kehle ab über die Brust bis in die Flanken und dem Bauch an. Die Henne trägt es weiterhin auf der gesamten Rückenpartie, von den Schultern über den Sattel bis hin zur Schwanzeindeckung und auf den Flügeldecken. Charakteristisch dabei, in beiderlei Geschlecht, die markante Bindenzeichnung, also die Tupfenzeichnung der großen Flügeldeckfedern. Die unterste Reihe der größeren Flügeldeckfedern bildet die Hauptbinde. Vermerkt sei hier, dass zwar unbedingt auf reine Grundfarbe der Außenfahne zu achten ist, jedoch die Färbung der Innenfahne keine Bedeutung bei der Beurteilung eines Tieres besitzt. Anders verhält es sich bei der Nebenbinde / oberen Binde. Dort werden die generellen Maßstäbe der Tupfung im Mantelgefieder gesetzt. Hier auftretende Blaueinlagerungen in der Grundfarbe, sog. Moos oder Pfeffer, bleiben noch zu oft unbeachtet. Oberhalb dieser 2 Binden folgen bei der Henne noch beliebig viele Bindenreihen, je nach Anordnung der auf den Flügeldecken vorhandenen Tupfung. Beim Hahn lässt der Standard mit der Formulierung „dritte Binde im Ansatz gestattet“ lediglich noch eine Bindenreihe zu, welche bei korrekter Ausprägung ein Garant für ordentliche Zeichnung der Hennennachzucht ist. Die restliche Flügeldecke präsentiert sich in intensiven Rahmgelb.

 

Gesamteindruck zählt

Soweit zu den Form- und Zeichnungsattributen unserer hübschen Urzwergrasse. Viele der erwähnten Rassekriterien sind durchweg vorhanden und bedürfen kaum noch besonderem Augenmerk der Betrachter, wodurch sich die Bewertungskriterien auf bestimmte Schwerpunkte konzentrieren. Dabei steht stets an erster Stelle, dass der Gesamteindruck, also die Harmonie und das Zusammenspiel aller Erscheinungsmerkmale, anspricht, denn nur er kann diese unbeschreibliche Faszination auslösen, bei der man dem Charme dieser Püppchen unterliegt.

Ruben Schreiter

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