Tierbesprechung Ost als Highlight der ansässigen Federfußfreunde

Am Sonnabend, den 25. September, hieß Oberlichtenau das Ziel der Federfußzüchter aus weiten Teilen des Landes. Hier organisierte zum wiederholten Male unserer Zuchtfreund Günter Kühne eine angenehme und gut geplante Tierbesprechung. Für seine Einsatzbereitschaft sei ihm herzlich gedankt, wäre ohne diese Bereitschaft doch jegliche Veranstaltung zum Scheitern verurteilt. Im Lindengasthof Oberlichtenau fanden sich 35 Züchter plus Ehefrauen ein und konnten in den ausreichend vorhandenen räumlichen Gegebenheiten beinah 200 Jungtiere unserer wunderschönen Rasse antreffen. Über diese ausgesprochen rege Teilnahme zeigten sich unser 1. Vorsitzender Arno Löser, der Beisitzer Ost Hartmut Winkler und Zuchtwart Holger Schwalm in ihren herzlichen Grußorten erfreut, unterstrichen abermals die Bedeutung jener Veranstaltung und wünschten dem Tage einen aufschlussreichen und freundlichen Verlauf. Dass eine Tierbesprechung ein gefächertes Spektrum an Interessenten findet, wurde durch die Anwesenheit von Zuchtfreunden, die dem SV noch nicht beigetreten sind, bewiesen. Hoch geschätzt wurde weiterhin, dass das BDRG-Präsidiumsmitglied und LV-Oberhaupt von Sachsen Christoph Günzel der Veranstaltung beiwohnte.
Die herausragende Zahl von 200 mitgebrachten Jungtieren in den klassischen und eher seltenen Farbenschlägen, teils mit Bart, unserer geliebten Federfüßigen Zwerghühner, zeugten von einem intensivem züchterischen Treiben in 2010. Enormen Gesprächsstoff gab es also für die anwesenden Preisrichter respektive Preisrichter-Anwärter Klaus und Toni Knorr, Arno Löser, Andre Mißbach, Danny Richter, Alfred Sauer, Gerhard Schönefeld, Ruben Schreiter und Holger Schwalm und die interessierten Züchtern. Die weitreichenden Ausführungen zu den Tieren umrissen eine Vielzahl von Rassemerkmalen und stellten zugleich aber auch richtungsweisende Tipps und Rassetendenzen fest. Hilfreich bei einer Tierbesprechung ist, dass auf kleinste Rassefeinheiten eingegangen werden kann, die zum Teil im Rahmen der Beurteilung auf den Schauen nicht mit erwähnt werden können. Dies ist von eminenter Bedeutung, denn nur rassespezifische Kenntnisse ermöglichen eine gezielte Zucht und somit letztlich den Zuchtfortschritt. Betrachtet man die drei Säulen eines Zuchtprozesses Beurteilen, Selektieren und Verpaaren, dann wurde zumindest der ersten, wenn nicht gar teilweise auch der zweiten, Genüge getan. Und dies ist für einen Fortgang und vor allem für Fortschritt notwendig. Kennt man die Defizite seiner einzelnen Tiere und zu guter Letzt die Hauptmankos seiner gesamten Zucht, muss anhand der erfolgten Einschätzung (=Beurteilen) entschieden werden ob Tiere zur Weiterzucht bzw. für die Schau verwendet werden oder nicht (=Selektieren). Gleichwenn die Einschätzung der Form- und Zeichnungsattribute aufgrund der noch nicht erlangten Körperreife zumeist noch nicht vollends möglich war, gaben fundamentale Aussagen über die vielseitigen Merkmale Aufschluss. So war ein kleinerer Teil der Rassevertreter mit Doppelzacken, seitlichen Kammauswüchsen, Dachschwänzen, falscher Augenfarbe bzw. Pupillenveränderungen, fehlenden Zehengliedern oder  krassen Zielabweichungen in farblicher Hinsicht behaftet. Solche Kardinalfehler sind natürlich als zuchtausschließend anzusehen. Einen hohen Stellenwert wird der vollen kurzrümpfigen Statur unserer Federfüße mit vorgewölbter Brust und kurz hohlrund ausgeformter Rückenlinie bei breitem Schwanzansatz beigemessen. Bei der Betrachtung der diversen Farb- und Zeichnungsformen rücken zunehmend Feinheiten ins Bild der Betrachtung und oftmals ist hier der Ausprägungsgrad eines bestimmten Merkmals für den Rassewert eines Tieres ausschlaggebend. Beispiele hierfür sind Tupfen- und Perlengröße bei den Porzellanfarbigen, Rieselung und Brustfarbintensität der Halsigen, andersfarbige Farbeinlagerungen in dafür nicht vorgeschriebenen Federn oder Grünlackintensität bei den Schwarzen. Freilich sind die Abweichungen von dem Ideal farbenschlagsspezifisch und ihre Gewichtigkeit bei der Bewertung ist maßgeblich vom Zuchtstand der jeweiligen Variante abhängig. Eingegangen sei an dieser Stelle auf die gegenwärtig und somit auf dieser Tierbesprechung anzutreffenden Defizite der Silber-porzellanfarbigen. Diese liegen schwerpunktmäßig in der korrekten Zeichnung, hinsichtlich der Figur sehen wir in der Spitze absolut typische Federfüße. Es gestaltet sich wirklich schwierig in diesem Farbenschlag, den Anforderungen der Musterbeschreibung an die Zeichnung in allen Belangen gerecht zu werden. Der wertbestimmende Faktor eines porzellangezeichneten Tieres ist die Tupfung und Perlung. Hierbei trifft man teils auf eine durchaus akzeptable Tupfenform mit länglich runder Ausformung und annähernd geschlossenem Tupfenansatz. Jedoch neigen die Tiere oftmals zu einer Kielzeichnung von der Tupfe in Richtung Federgrund, welche dann vornehmlich auf den Flügeldecken anzutreffen ist. Dieses Defizit konnte in den vergangenen Jahren durch entsprechende Kritikgestaltung und Zuchtselektion reduziert werden. Die Perle sollte sich idealerweise am Federende in der Mitte punktuell darstellen. Nun ist seit mehreren Jahren die Tendenz zu erkennen, dass sich die Perle zunehmend saumartig ausbreitet, d.h. die weiße Perle ist nicht mehr als Punktform vorzufinden, sondern umschließt die Tupfe am Federrand in Form eines Saumes. Diese Ausprägungsform der Perle ist fehlerhaft. Erfreulich ist, dass diesbezüglich auch würdige Tiere in Oberlichtenau präsentiert wurden. Bereits seit der Anerkennung der Silber-porzellanfarbigen tritt eine schwarz durchsetzte Grundfarbe auf – der Ausprägungsgrad ist entscheidend, wie diese Angelegenheit in der Bewertung eingeht. Mit Wohlwollen wird Schwarz im untersten Teil der festen Federfahne angesehen, welches durch das dachziegelartige Aufeinanderliegen der Federn komplett verdeckt wird. Schwerwiegender gestaltet sich eine unreine Grundfarbe, die beim Gesamtanblick des Tieres bereits offensichtlich wird. Gleiches gilt für unreine Grundfarbe in den Nebenbinden und in den Außenfahnen der Hauptbinde. Problematisch wiederum, dass ein Putzen auf den Flügeldecken, wie es bei den anderen Porzellanfarbenschlägen geschieht, nicht nützlich ist, da dann die dunkle Unterfarbe zum Vorschein kommt. Tiere, die eine durchgehende, vollständige und geschlossene Brusttupfung aufweisen, sind oftmals in den Bindenfedern und Flügeldecken überzeichnet. Exemplare hingegen mit korrekter Tupfengröße und –form in den Binden neigen allzu oft zu offener, dürftiger Brusttupfung. Die Balance zwischen beiden Extremen gilt es in der Beurteilung herauszustellen, gleichwohl in der Zuchtpraxis beide Varianten bei entsprechendem Partner dienlich sein können. Unschön wirken weiterhin sog. Rußkrägen, also schwarz-gesäumte Halsfedern. Unser Standard sieht am Halsfederende einen kleinen schwarzen Tupfen vor und letztlich eine angedeutete weiße Perle. Nun kann es dazu kommen, dass sich das Schwarz am Federende ausbreitet und sich um den Halsfederrand schließt, wodurch eine schwarze Säumung um das Weiß der Halsfeder entsteht. Einige Hähne der vergangenen Hauptsonderschau wiesen diesen Makel auf. Erstaunlicherweise waren die silber-porzellanfarbigen Hähne der Tierbesprechung nicht oder kaum damit behaftet. Durch das Wissen der Züchter über die Halsfedersäumung wurde hier also bereits eine Verbesserung
erlangt – prima Zuchtfreunde! Die Ausführungen zu den Problematiken sollen den Züchtern bei der Selektion ihrer Rassetiere behilflich sein, nicht aber unseren schönen Farbenschlag, den Silber-porzelannfarbigen, ins schlechte Licht rücken. In Anbetracht des gegenwärtigen Zuchtstandes waren einige Tiere von hoher Qualität vorhanden, allen voran eine Henne unseres Federfußfreundes Frank Fasold, der sich schon seit vielen Jahren um diese Variante verdient gemacht hat.
Es war ein tolles, geselliges Treffen, das den Zuchtfreunden in guter Erinnerung bleiben wird. Nicht zuletzt war die sehr gute Gastlichkeit und Bewirtung zur Freude aller Teilnehmer
zur Freude aller Teilnehmer.

       

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