Ein verdienter Züchter

100 Jahre Sonderverein - das sind hundert Jahre Werden und Gedeihen der Federfüßigen Zwerghühner, ihrer wunderbaren Rundungen, ihrer brillanten Farben. Das sind vor allem aber Biografien von Menschen, die dieser schönen Rasse Gestalt und Aussehen verliehen - durch züchterischen Fleiß, Ausdauer, Beharrlichkeit, Ehrgeiz. Da sind Namen wie Kurt Richter, Ottokar Hungsberg, Herbert Britting. Die Aufzählung würde kaum enden. Dennoch ist nicht zu vergessen: Kurt Lorenz.
Kurt Lorenz liebte Tiere. Ein Hund - meist ein Boxer - gehörte immer zur Familie. Tauben flogen ein und aus. In den Boxen knabberten Kaninchen - Hosen, wie es im Erzgebirge heißt. Nicht selten grunzte ein Schwein im Stalle. Unzählige Enten bevölkerten ein gepachtetes Nachbargrundstück. In dem großen Garten aber gleich am Haus der Lorenzens tummelten sich über Jahrzehnte hunderte Federfüßige Zwerghühner. Da wären zu nennen Schwarze, Weiße, Blaue Silberhalsige, Goldhalsige - teils mit, teils ohne Bart. Besondere Liebe aber genossen bei Kurt die Schwarzen mit den weißen Tupfen. Mit diesem Farbenschlag konkurierte er viele Jahre auf führenden Schauen und schloss dabei nicht schlecht ab.
Im November 1969 feierte der passionierte Züchter seinen 50. Geburtstag.  Unter den vielen Präsenten ein von Rudolf Hoffmann, Klötze, signiertes Gemälde. Wie wohl kein anderer hatte "R.H." Federfüße schwarz mit weißen Tupfen in Öl gezaubert. Kurts Augen leuchteten. Seine Frau Karin hatte das Bild als Geburtstagsüberraschung in Auftrag gegeben. Stolz präsentierte es Kurt seinen Gästen. Und wann immer ein Besucher ins Haus der Lorenzens am Fuße des Bärenstein kam - das Gemälde musste er betrachten. Aber der Lorenz Kurt - wie man im Erzgebirge sagt - hat sich auch und vor allem um einen weiteren Farbenschlag der Federfüße große Verdienste erworben: die Hellen (heute weiß-schwarzcolumbia). Blättert man in alten Katalogen, liest man in Gefügelzeitungen vergangener Jahrzehnte, so stößt man immer wieder auf den Namen Lorenz, Bärenstein, und auf seine Hellen. Preisträger werden genannt - der Kurt ist dabei. Hervorragende Tiere sind im Foto zu sehen - Kurts Helle fehlen nicht. Sogar aufs Titelblatt hat es eine 0,1 hell von ihm geschafft. Und was bei den DDR-Preisrichtern absolut selten vorkam: auf einen Junghahn hell vergaben sie auf der Lipsia 1977 ein "v". Das Foto des Hähnchens hatte fortan einen Ehrenplatz im Hause Lorenz.
Ja, der Kurt beherrschte die "Kunst des Züchtens". Er ließ nicht locker, bis er dem Ideal nahe gekommen war. Viel Zeit wendete er dafür auf. Die Familie musste auf manchen Urlaub verzichten. Ein Tag zu Besuch bei Kurt Richter in Leipzig, bei den Hungsbergs in Osterhausen oder bei den Horns in Lindenthal - schon nach wenigen Stunden wurde Kurt unruhig: „Ich muss ham, die Hühnle...!“ Tiere waren sein Leben. Dabei behielt er seine reichen züchterischen Erfahrungen keineswegs für sich. Wann immer ein Züchter Bärenstein ansteuerte - er trat stets mit Tipps für seine Zucht die Heimfahrt an. Auch manch wertvolles Hühnchen war im Gepäck, so es geeignet war für die Aufbesserung der eigenen Zucht oder der "Geburt" eines neuen Farbenschlages.
Im Dezember 1992 - schon gezeichnet von schwerer Krankheit - zeigte Kurt auf der Ortsschau in Bärenstein noch einmal seine Federfüße. Und wie eigentlich jedes Jahr wurde ihm ein Pokal für den züchterischen Erfolg überreicht. Es sollte die letzte Ehrung sein. Im März des folgenden Jahres schloss der Lorenz Kurt seine Augen für immer. Ein Herz für die Federfüße hatte aufgehört zu schlagen.

Anmerkung: Das wunderschöne, oben beschriebene Gemälde von Rudolf Hoffmann wechselte indessen seinen Besitzer. Es hat seinen Platz im Deutschen Geflügelmuseum in Viernau gefunden.

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