Gestreifte Federfüßige Zwerghühner

Einer der ältesten Farbenschläge sucht Züchter

Die Vorläufer unserer heutigen gestreiften Federfüßigen Zwerghühner, die Kuckucksfarbigen gab es bereits 1886. In diesem Jahr schrieb Bruno Dürigen in „Die Geflügelzucht“: „die Kuckucksfarbigen (Gesperberten) findet man vereinzelt“. In der 2. Auflage des Buches „Die Geflügelzucht“ schreibt Dürigen 1906 „Kuckucksfarbige sind ganz verschwunden.“

1,2 gesperberte Federfüßige Zwerghühner aus der Zucht von Kurt Hungsberg, abgebildet in der SV-Jubiläumsschrift 1936

Zur 14. Nationalen Geflügelausstellung 1910 in Berlin stellte G. Hartung aus Nauenhof 1,2 gesperberte Federfüßige Zwerghühner aus und erhielt auf diese die Bewertung LA (lobende Anerkennung).
Die Gesperberten gehören damit zu den ältesten Farbenschlägen bei den Federfüßigen Zwerghühnern. Sie werden bereits in der ersten Farbenschlagerwähnung der Sondervereinigung für Federfüßige Zwerghühner 1932 neben 11 anderen Farbenschlägen genannt. Dies jedoch mit geringen Anforderungen, was wohl den kleinen Tierzahlen geschuldet war. Wörtlich hieß es damals: „An die Zeichnung sind bescheidene Ansprüche zu stellen. Als Fehler gelten das Fehlen der Sperberzeichnung in den Steuerfedern und den Sicheln oder viel Weiß in letzteren.“ Die damaligen Gesperberten wurden bis in die 30er Jahre von Kurt Hungsberg in Großosterhausen/Sachsen-Anhalt mit Erfolg gezüchtet. Danach wurde es still um diesen Farbenschlag.
Es ist Zuchtfreund Ernst Mensinger zu verdanken, dass er nach gut drei Jahrzehnten mit züchterischem Ehrgeiz und natürlich auch Können diesen schönen Farbenschlag unserer Federfüßigen Zwerghühner wieder entstehen lassen hat. Nach fünfjähriger intensiver Zuchtarbeit war es ihm gelungen, dem Standard entsprechende Tiere zu zeigen. Ausgangstiere für die Neuerzüchtung waren 1,0 Zwerg-Cochin gesperbert x 0,1 schwarze Federfußhenne. In einem weiteren Stamm wurde mit 1,0 Zwerg-Cochin gesperbert x 0,1 schwarz-weißgetupfte Federfußhenne gezüchtet. Bei der 4. Sonderschau im Januar 1968 in Reinheim standen unter den 553 gezeigten Federfüßigen Zwerghühnern bereits 25 Tiere des wieder erzüchteten Farbenschlages Gesperbert. Nach erfolgreicher Weiterzucht wurde er 1970 von Gesperbert in Gestreift umbenannt. Dies war besonders der bis zu diesem Zeitpunkt angezüchteten scharfen und getrennten Streifung geschuldet.
Betrachten wir unsere heutigen gestreiften Federfüßigen Zwerghühner etwas näher, so ist die eingangs gemachte Feststellung nicht uninteressant, dass vor etwa 90 Jahren die Gesperberten ein Farbenschlag neben 11 anderen waren. Die heutigen Gestreiften sind ein Farbenschlag neben 23 anderen und alle sind auch mit Bart anerkannt. Diese große Farbpalette bei unseren Federfüßigen Zwerghühnern bringt natürlich eine gewisse Konkurrenz unter den Farbenschlägen mit sich, bei der die Gestreiften unverständlicherweise knapp wegkommen. In Wirklichkeit brauchen sie sich in nichts vor den anderen Farbenschlägen zu verstecken. Was die Form angeht, zeigen sie sich überwiegend sehr rassetypisch, ich möchte sagen mustergültig.

4 Monate alte Junghähne bei Arno Löser, Feldengel, im Auslauf

Bei der Bewertung der gestreiften Federfüßigen Zwerghühner hat natürlich, wie bei so vielen Geflügelrassen, die Reihenfolge Form, Farbe, Zeichnung Priorität. Bei Hähnen wie auch Hennen ist der im Standard geforderte Typ überwiegend ausgeprägt vorhanden. Dazu gehört ein mittelhoher Stand mit gut ausgerundeter und leicht angehobener Brustpartie. Der Rücken soll nicht lang erscheinen, aber Breite zeigen. Gute Federfüßige Zwerghühner zeigen generell breite und leicht abgerundete Schultern. Den Typ vervollständigt ein gut ausgerundet in den Schwanzanstieg übergehender Sattel. Das sind alles Positionen, die für eine Bewertung mit sg und darüber gut erkennbar sein müssen.

Korrekt durchgezeichnete Schwinge einer gestreiften Federfüßigen Zwerghenne

Der Kamm soll mittelgroß sein und der Nackenlinie folgen, ohne aufzuliegen. Hier gibt es noch Selektionsbedarf. Besonders die Hähne zeigen mitunter doch recht große Kämme und ebensolche Kehllappen. Was das Farbbild von Hahn und Henne angeht, so erscheinen die Hähne heller und schmaler in der Streifung. Besonders wertvoll sind Hähne, die in Grundfarbe und Zeichnung die gleiche Breite zeigen. Das hellere Farbbild der Hähne entsteht aus der Tatsache, dass diese den Sperberfaktor doppelt und die Hennen nur einfach besitzen. Von einem ordentlich gestreiften Hahn muss in der Streifung besonders im Hals und Sattelbehang Ausgeglichenheit verlangt werden. Ein verschwommenes Flügeldreieck ist ebenso ein Fehler wie Weiß im Ansatz der Sichelfedern. Deutlich gelber Anflug auf dem Hals- und Sattelbehang entwertet ein Tier stark.

1,0 Federfüßiges Zwerghuhn, gestreift, HSS Hoya 2010, v LVB (Arno Löser, Feldengel)

Exakt gestreifte Hennen zeigen auf dem Mantelgefieder eine scharf abgesetzte, geradlinig verlaufende Streifung, die durchgehend bis zum Federkiel reicht. Die Enden der Federn zeigen einen schmalen schwarzen Streifen. Ist dem nicht so, dann wirkt das Zeichnungsbild verschwommen. Hennen mit blockiger oder mit nicht parallel verlaufender Streifung können über ein g nicht hinauskommen. Brauntönungen im Mantelgefieder, die besonders bei den Hennen auftreten, sind als krasser Fehler anzusehen. Um das Streifungsbild kontrastreicher erscheinen zu lassen, muss auf eine satte schwarze Grundfarbe Wert gelegt werden. Die Grundfarbe neigt jedoch dazu, sich zu verbreitern. Hier muss züchterisch gegengesteuert werden, z.B. über exakt und fein gestreifte Hähne.
Um eine intensive Grundfarbe zu erreichen, aber auch zur Blutauffrischung generell, ist die Einkreuzung einer schwarzen Henne zu empfehlen. Da bei den Gestreiften ein orangerotes bis rotes Auge verlangt wird, sollte man eine schwarze Henne mit rotem Auge auswählen. Beim schwarzen Farbenschlag werden ja dunkle Augen verlangt, aber vereinzelt findet man bei ihnen die zur Einkreuzung gewünschte Augenfarbe. Bereits in der F1 fallen zum Weitereinsatz im gestreiften Farbenschlag gut geeignete Hennen. Eine genaue Kennzeichnung der Kreuzungstiere sollte durchgeführt werden, um bei der Weiterzucht genau im Bilde zu sein.

0,1 Federfüßiges Zwerghuhn, gestreift, Europaschau Nitra 2009, hv (Arno Löser, Feldengel)

Die bei gestreiften Farbenschlägen generell auftretenden schwarzen Federn im Mantelgefieder können problemlos geputzt werden. Schwarze Steuer- oder Handschwingenfedern gelten als Fehler.
Da unsere gestreiften Federfüßigen Zwerghühner im Farbbild den Amrocks ähneln, sollten wir über den Passus unter grobe Fehler bei den Amrocks nachdenken, wo es heißt: „je Seite in den Handschwingen mehr als eine schwarze oder mit Querstreifen versetzte Feder ist ein Fehler.“ Was ja im Umkehrschluss heißt, auf jeder Seite ist eine wie genannte Feder erlaubt!
Unsere heute auf den Schauen zwar in geringer Zahl gezeigten gestreiften Federfüßigen Zwerghühner verkörpern sehr ausgeprägt den für diese Rasse gewünschten Typ und auch eine korrekte Streifung über den gesamten Körper.
Bei artgerechter Haltung und Pflege ist es ein sehr robustes Urzwerghuhn. Junghennen legen durchaus 120 bis 150 Eier mit einem Gewicht von 30 bis 35 Gramm. In der Aufzucht sind die Küken frohwüchsig und befiedern sich gut. Dieser schöne Farbenschlag unserer Federfüßigen Zwerghühner ist zwar nicht im Bestand gefährdet, eine größere Züchterschaft wäre ihm aber sehr zu wünschen. Interessenten werden vom SV gern beraten.

Arno Löser

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