Federfüßige Zwerghühner – Urzwerge von Weltformat

Teil 1 – Historie, Typ & allgemeine Merkmale

Glückseeligkeit erbringen sie ihrem wohlgesinnten Betrachter; Anmutigkeit und Rassigkeit par excellence strahlen sie aus, dabei ist ihr Habitus keineswegs erhaben, vielmehr suggeriert ihr Wesen Fröhlichkeit und Zugänglichkeit – von Federfüßigen Zwerghühnern ist die Rede. Es mag der Verdacht einer Verherrlichung der einem nahe stehenden Rasse aufkommen, welcher jedoch angesichts des internationalen, breiten Pensums an Züchtern, die durch die Zucht dieser Rasse Glücksgefühle erhaschen, relativiert wird. Der heurige Rasse-des-Jahres-Status soll Anlass genug sein, in einer Beitragsreihe die beliebte Rasse und ihre Farbenschläge näher zu beleuchten. 

Rassehistorie
Die Entstehung im Sinne einer chronologischen Abfolge von geschichtlichen Aspekten der Rassewerdung zu skizzieren fällt am Beispiel insofern schwer, als dass sie schon enorm langes Dasein besitzen und somit oft nur Vermutungen ausgesprochen werden können, wann ein laufbefiedertes Huhn / Zwerghuhn zur eigentlichen Rasse „Federfüßiges Zwerghuhn“ veredelt wurden sind.
Zwerghühner mit Stulpenbildung, als Indiz des Vorhandenseins einer Laufbefiederung, werden 60 n. Chr. von Columella beschrieben. Fortan festgehaltene Hinweise auf die Rasse unterliegen einer Spezifik, die in dieser Form kaum bei anderen Rassen wiederzufinden ist: die synonymhafte Verbindung von Federfüßigen Zwerghühnern und der Porzellanzeichnung. Das Vorhandensein der Dreifarbigkeit war die Eigenart, die einerseits euphorieerfasste Personen dazu bewegte Aufzeichnungen über die Rasse niederzulegen, andererseits aber auch bis in die Gegenwart ein maßgeblicher Schrittmacher der manifesten Etablierung im Rassespektrum der Zwerghühner erbrachte. Auch neuzeitliche Quellen sehen in der Porzellanzeichnung einen Grund des Siegeszuges der Rasse (u.a. PESCHKE 2011).
Darstellungen von federfüßigen Zwerghühnern zumeist mit angedeuteter Porzellanzeichnung finden wir bei Aldrovandi um 1600 und auf niederländischen Gemälden, welche auf die Mitte des 17. Jahrhunderts datiert sind. Das Bestehen in Russland bekundet der Naturforscher Pallas in Berichten seiner Russlandreise zwischen 1768 und 1773. In den dargelegten Anhaltspunkten wird stets von fußbefiederten Zwerghühnern berichtet, nicht aber von der Rasse als solche. Verständlicherweise waren die Tiere durch zeitliche und geografische Verhältnisse auch noch deutlich verschieden und besaßen keine Einheitlichkeit im heutigen Rassensinne. Charakterfesten Rassefundus erhielten sie nach Meinung vieler Autoren durch die damalig hoch entwickelte englische Tierzucht, deren züchterische Bearbeitung die  runde Form und das Farbspiel festigte. Unbestritten ist zudem der maßgebliche Einfluss des französischen Sprachgebiets. So entstand im französischen Sprachraum die allerorts bekannte und so treffende Bezeichnung „Mille Fleurs“, zu Deutsch tausend Blüten. Sie charakterisierte die farbliche Attraktivität des Hauptfarbenschlags, bestand aber zeitweise zugleich als Rassename.
Massiven Aufschwung erfuhren sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem sie bereits u.a. 1886 von Hugo du Roi auf der 1. Klubschau des Klubs Deutscher Rassegeflügelzüchter präsentiert wurden. Die Gründung des Sondervereins 1911 in Chemnitz unter Hauptinitiative von Paul Hahn potenzierte das Potential der Zucht dieser Zwerghühner. Gleichwohl fortlaufend eine stetige, von den beiden verheerenden Weltkriegen leider beinah zerstörte, Rasseentwicklung wahrzunehmen war, setzte der wahre Boom erst nach 1945 ein. Korrespondenz und Zuchttieraustausch waren aber infolge der misslichen Trennung unseres Vaterlandes auf ein Minimum beschränkt, wodurch die einheitliche Entwicklung einen Hemmschuh besaß. Die Verschmelzung von SV und SZG 1990 brachte das zusammen, was zusammen gehörte und bis in die Gegenwart ist hierbei Großartiges entstanden – züchterisch und kameradschaftlich.
Rund 320 SV-Mitglieder, 1036 Zuchten in der Zuchttierbestandserfassung 2009, Bundesschaupräsentationen mit zahlenmäßigen Platzierungen unter den Top 5 der Zwerghühner oder die Galavorstellung zur Jubiläums-HSS im vergangenen Jahr mit 1150 Tieren sind zeugen von der Spitzenposition hinsichtlich Popularität und Beliebtheit die der Rasse zuerkannt werden kann. Werbewirksame Sonderpräsentationen im vorangegangen Jahr anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des SV´s erbrachten einen schönen Einblick in die Welt der Federfüßigen Zwerghühner.

Allseits gerundeter Typ
Wollen wir die höchsten Prämissen im Typ schlagwortartig ergreifen, sind Breitrümpfigkeit, Gedrungenheit, Seitenprofilausrundung und rassige Harmonie die wohl treffenden Metaphern. Erst die Wahrung dieser grundlegenden Elemente kann die Betrachtung auf die vielen Feinheiten fallen lassen, die wiederum im wechselseitigen Gefüge erst diese erstrebte Musterform schaffen.
Größe und Gewicht und derfolgt der Urzwerghabitus bereiten heute kaum Probleme, lediglich bei wenigen Exemplaren der Schwarzen bedarf es hier kritischer Anmerkungen. Angemerkt sei dabei, dass etwas zierlichere Tiere, die trotz alledem einen breiten Körper besitzen, nicht kritikwürdig sind. Weitaus häufiger dagegen ist die Breite des Rumpfes und Sattels noch nicht in ausreichendem Maße gegeben. Die Zuchtwahl sollte insbesondere einem fülligen und breiten Hahnensattel große Bedeutung beimessen.
Mit Variationen in beide Ausprägungsrichtungen treffen wir die Standhöhe an, die fast mittelhoch gefordert wird. Zu vermerken ist, dass unsere Federfüßigen Zwerghühner anatomisch betrachtet höher stehen, als sie es im Erscheinungsbild mit ihrer markanten Stulpen- und Fußbefiederung darstellen. Mit dem Stand harmoniert eine breite, vollgerundete und dabei leicht angehoben getragene Brustpartie. Betrachtet man das seitliche Profil nach dem Kehlschnitt, so besitzen Tiere, die eine leichte Vorwölbung mit ausgeprägter Unterbrust zeigen, dabei aber die Brustpartie etwas anheben besondere Ausdrucksstärke. Abweichungen in der Position Unterlinie stehen oft im Zusammenhang mit der Standhöhe. So erscheint eine extrem volle Brustpartie oft in Kombination mit tiefem Stand, wodurch der Rasseadel fehlt. Stelzig wirkende Tiere dagegen sind im Lauf zu lang bzw. im Fersengelenk zu wenig gewinkelt und besitzen zudem oft eine dürftige Brustfülle und –ausrundung. Auf die korrekte Darstellung von Standhöhe und Brustausformung liegt seit mehreren Jahren ein verstärktes Augenmerk. Beinah ausnahmslos ist die Flügelhaltung standardkonform hinter den Stulpen bzw. im parallelen Verlauf zu selbigen anzutreffen.
Der Hauptkritikpunkt in figürlicher Hinsicht ist die hohlrund geforderte Oberlinie. Um diese in Vollendung präsentieren zu können, ist ein abgestimmtes Zusammenspiel von Halsgefieder, Rückenausformung, Sattelfülle und Schwanzhaltung vonnöten. Ist einer dieser Parameter nicht in entsprechendem Maße vorhanden, stört es den gesamten Eindruck der Oberlinie. Nur wenigen Hähnen ist im vollfiedrigen, kräftigen Halsbehang mit leichter Biegung nach hinten noch Verbesserungspotential anzusehen. Der Halsbehang bedeckt den vorderen Teil der breiten, aber nicht kantigen Schultern. Nun folgt im Seitenprofil ein kurzer Rücken, der durch seine reiche, auspolsternde Befiederung den Grundstock für die typische Oberlinie liefern muss und fließend in den angezogenen Schwanz übergeht. Ein fülliger Sattel hilft der optimalen Rückenausformung enorm, ist aber bei etlichen Tieren noch nicht ausreichend vorhanden. Entscheidend gilt es dabei herauszustellen, dass die Oberlinie nach dem Halsbehangende ein kurzes Stück abfällt, um dann in gleich bleibender Krümmung in Sattel und Schwanz überzugehen – hohlrund ist die Zielvorgabe! Bereits nach dem Halsbehangende ansteigende Rückenlinien widersprechen dem Rasseideal.
Die Schwanzhaltung als solche muss hoch, keinesfalls darf sie aber steil sein. Liegt die Schwanzspitze in Augenhöhe, weis das Tier diesbezüglich zu gefallen. Einer flachen Schwanzhaltung, wie sie v.a. bei Hennen teils noch anzutreffen ist, folgt ein Mangeleintrag. Nicht ausreichend hoch getragene Steuern ergeben individuelle Punktabzüge. Deshalb besitzen Hähne mit - für Schauzwecke – zu hoher Schwanzhaltung durchaus Zuchtwert, da sie in der Hennennachzucht letztgenanntes Defizit verbessern können. Der Übergang zum Schwanz wird durch das Sattelgefieder rund ausgeformt, wodurch der Übergang verschliffen erscheint. Nicht abgedeckte Schwanzübergänge bei den Hähnen resultieren oftmals aus unzureichender Käfiggewöhnung, zu stark gewinkelter Schwanzhaltung oder reichlich vorhandenem Flaum in dieser Federregion und dienen als Abstufungspunkt bei der Bewertung.
Merklichen Differenzen unterliegt bei den Schautieren der Schwanzaufbau, insbesondere dessen Breite. Für eine optimale Steuerpartie ist zwingend ein breiter Schwanzansatz notwendig, denn nur so werden Tiere mit voller breiter Steuerpartie der Standardformulierung unter Schwanz „etwas gefächert“ gerecht. Ein Tier mit schmalem Schwanzansatz kann nur eine breite Steuerpartie erreichen, indem es die Steuern zu stark fächert. Solche gespreizten Steueranordnungen ermöglichen im Extremfall, dass man von der Seite aus zwischen den einzelnen Steuern durchschauen kann. Gespreizte Steuerstellung zieht die Note „g“ nach sich. Der andere Extremfall, der ebenfalls nicht selten anzutreffen ist, ist die zu spitze Schwanzhaltung. Hier schieben sich die unteren Steuern fast gänzlich unter die oberen Steuern und verlaufen nicht parallel zur oberen Steuer. Die Steuerpartie besitzt somit im oberen Drittel nicht ausreichend Breite. Zwischen diesen zwei Extremen liegen natürlich noch eine Vielzahl anderer geringfügiger Abweichungen vom Ideal, die in der Kritikgestaltung als Wunsch angesehen werden. Es gilt also immer: Im Käfig nicht optimal fächernde Vertreter werden nie den Weg in die Spitze finden. Es kommt eben darauf an sich im richtigen Augenblick in Positur zu bringen und der Preisrichter ist gebannt von soviel Schönheit. Analog zum gesamten Gefieder werden auch die Nebensicheln breit erwünscht. Die Nebenbesichelung der Spitzentiere besitzt derartige Fülle und Festigkeit, dass sie den Großteil der Steuern einhüllen kann. Die säbelförmigen Hauptsicheln des Hahnes überragen die oberen Steuern um 2 bis 3 cm. Der Standard gibt als Obergrenze „bis zu 4cm“ vor, was tatsächlich nicht übertroffen werden darf, ansonsten folgt ein Punkteabzug. Hähne mit überlangen Hauptsichel neigen ohnehin zu einer fehlerhaften sichelförmigen, anstatt säbelförmigen Hauptsichelform. Nicht kritikwürdig sind im Vergleich zu den Steuern leicht verkürzte obere Schwanzdeckfedern bei der Henne.
Im namensgebenden Merkmal, der Fußbefiederung gibt es heute kaum noch Ausfälle. Dichte Befiederung der Laufaußenseite, Mittel- und Außenzehe, wie auch eine korrekte Stulpenbildung sind Usus. Nur selten wünscht man sich die Mittelzehenbefiederung voller. Solang der Eindruck einer dichten Fußbefiederung nicht gestört ist, bleiben abgebrochene Fußfedern unberücksichtigt. Als Grundgerüst für die Fußbefiederung benötigt ein Federfüßiges Zwerghuhn stabile und voll ausgeprägte Zehen. Ein fehlendes Außenzehenglied stellt eine Skelettdeformation dar, was die Wertung als Ausschlussfehler nach sich zieht. Wenig stabile Außenzehen neigen verstärkt zur Verkrümmung, welche ja wiederum fehlerhaft ist. Hinter-, Mittel- und Innenzehen werden bedingungslos mit Kralle verlangt. Anders verhält es sich mit der Außenzehenkralle. Die AAB gestatten, dass Tiere mit fehlender Außenzehenkralle bis zu 95 Punkte erhalten können. 

Kopfpunkte
Primär gilt es Kopfpunkte zu fordern, deren einzelne Glieder aufeinander abgestimmt sind und harmonisch zum gesamten Körper passen. Gesichtsfeld und Ohrlappen sind rot, wobei bei der Henne leichte Ohrblässe mit Fingerspitzengefühl betrachtet wird, nicht aber Emaille. Stabil und fein strukturiert ist der Einfachkamm mit nicht allzu hohem Kammblatt, möglichst breit angesetzten Zacken und einer der Nackenlinie folgenden Kammfahne. Kleine, gut gerundete Kehllappen sind das Ideal von dem die jeweiligen Abweichungen mit Abzügen bedacht werden. Die Augenfarbe ist farbenschlagsspezifisch von orangerot bis braun.

Bärtige Variante
Als Bereicherung zur ohnehin breiten Farbenschlagspalette ist jeder Farbenschlag auch mit Bart anerkannt, gleichwenn dato nicht durchweg vorhanden. Schon DÜRIGEN (1921) beschreibt Federfüße mit Bart als eine durchaus etablierte Spielart der Rasse. Ihre Verbreitung ist seither weit hinter jener des bartlosen Pendants und logischerweise ist der heutige Zuchtstand in den jeweiligen Farbenschlägen zumeist deutlich niedriger als bei den entsprechenden Bartlosen.
Reizvoll ziert bei ihnen ein voll ausgeprägter Kinn- und Backenbart die ohnehin von Federfülle bestimmte Gesamterscheinung. Die Bartausprägung muss die sehr kleinen, verkümmerten Kehllappen vordergründig verdecken, was sich bei Hähnen zuweilen als problematisch darstellt. Bei der Beurteilung sind jedoch Maßstäbe à la belgische Bartzwerge unangebracht. Charakteristisch tritt die Mähnenbildung, das heißt Aufbauschung der hinteren Halsfedern, zu Tage.
Farbenschlagsübergreifende Forderungen eines Federfüßigen Zwerghuhns wurden in diesen Zeilen dargestellt. Einzelne Aspekte zu den Farbenschlägen folgen im nächsten Beitrag zur Rasse des Jahres.

 von Ruben Schreiter
(veröffentlicht in der Geflügelzeitung 15/2012) 

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