HSS der Schweizer Federfuß-Züchter

Ein tolles Erlebnis war sie in vielerlei Hinsicht – die HSS des Klubs der Schweizer Federfuß-Züchter. Gerne folgte ich der Einladung zur Bewertung auf dieser Schau, welche zwischen Weihnachten und Neujahr 2013 in Bazenheid (Ostschweiz – in der Nähe von St. Gallen) stattfand. Im Klub der Federfußzüchter der Schweiz ist es üblich, die HSS im jährlichen Wechsel der Nationalen bzw. einer regionalen Schau anzuschließen. Die Nationale findet nur alle zwei Jahre statt. 2013 war es die Kantonalschau von St. Gallen, der der Federfußklub seine HSS – wie auch die Klubs der Chabo und der Holländischen Zwerghühner – anschloss. Kantonalverbände sind vergleichbar mit den deutschen Landesverbänden. Insgesamt stellten sich 1020 Tiere des Rasse- und Ziergeflügelbereichs dem Wettbewerb (zum Vrgl.: die Nationale Geflügelschau umfasst ca. 2.500 – 3.000 Tiere).

Die Schau fand in einer sehr modernen, lichtdurchfluteten Mehrzweckhalle einen ausgesprochen würdigen Rahmen. Gleich auf den ersten Blick begeisterte die stil- und liebvolle Aufmachung der Ausstellung. Schauvolieren der Klubs, eine begeisternde Teichanlage mit Zierenten, wie auch eine Reihe mit bäuerlich umzäunten Rasseentengehegen waren immer Blickfänger für die Besucher. Etwas Besonderes für alle Teilnehmer war auch die Eröffnung. Hierfür wurde neben der üblichen Prozedur eine Live-Tiervorstellung geboten. Preisrichterobmann Andi Kräuchi stellte den Ehrengästen die Vielfalt des Rassegeflügelsektors vor indem er groteske Rassen auf einem geschmückten Strohquader humorvoll präsentierte. Es war ein wirklicher Magnet für Fotografen und den fachmännischen Erläuterungen wurde aufmerksam gefolgt.

Die Hühner und Zwerghühner waren allesamt – in Schweizer Manier stammweise – in Schaukäfigen unterbracht. Bei den Großrassen stand der Hahn separat und die zwei Hennen in einem Käfig zusammen. Diese Form der Tierpräsentation ist natürlich sehr ansehnlich für den Besucher, jedoch bringt es Schwierigkeiten bei der Bewertung mit sich. So zeigte sich die Vielzahl der Hennen im Beisein der Hähne nicht in optimaler figürlicher Position. Wurden die Hennen bei der Bewertung in einen einzelnen Käfig gebracht, waren sie figürlich (v.a. hinsichtlich Schwanzhaltung und Oberlinie) deutlich ansprechender. Trotz stammweiser Präsentation erfolgt die Bewertung einzeltierbezogen, d.h. jedes einzelnes Tier bekommt Punkte und Note. Für jeden Stamm wird dann im Katalog der Punktedurchschnitt ausgewiesen. Anhand jenem erfolgt eine Rangliste mit absteigenden Durchschnittswerten für die jeweilige Rasse. Zudem werden die Preise auf die Stämme mit den höchsten Punktedurchschnitt vergeben. Apropos Preise: Von ihnen gibt es je Richtauftrag (ca. 80 Tiere) einen oder zwei; den hiesig vorgeschriebenen Standgeldrücklauf in Form von E und Z gibt es nicht. Für die gesamte Schau waren zwei Oberrichter (Obmänner) tätig, welche selbst keine Tiere bewerten mussten, sondern sich gänzlich der Beratung der amtierenden Preisrichter und dem Bestätigen der Höchstnoten und Ausschlussfehler widmeten.

Die Tierqualität bei den 57 Federfüßigen Zwerghühnern war vergleichbar mit dem Zuchtstand in Deutschland, wenngleich dies nicht bei allen Farbenschlägen gelten kann. So war die Kollektion der Gold-porzellanfarbigen doch recht enttäuschend in Typ, Grundfarbe und Zeichnung. Eine Ausnahme bildete da nur ein sehr rassiger Althahn, der jedoch aufgrund seiner fehlerhaften Kammzackung nur 92 Pkte. erreichen konnte. Die folgenden Gelb-weißen hatten einen überragenden Stamm aufzuweisen, wobei hier insbesondere eine sehr feine Zeichnungshenne mit tollem Typ auf sich aufmerksam machte. Sie brachte Andreas Uebersax die Höchstnote. Beim Stamm schwarz-weißer Federfüße verzerrte die befressene Rückenfederpartie der Hennen leider die ansonsten sehr rassigen Anlagen. Auffällig war der bestechende Typ des Hahnes mit regelrecht ungewöhnlicher Rumpf- und Rückenkürze für diesen Farbenschlag; hinzu kamen feine Zeichnungsattribute. Zwei Stämme sehr typischer Weißer erfreuten das geschulte Auge. Ein in allen Hauptrassemerkmalen überragender Junghahn konnte wegen seiner etwas offenen Kehllappen nicht zu höchsten Ehren kommen. Feine Proportionierung und Linienführung besaßen die Schwarzen allesamt, jedoch wurde beim genaueren Betrachten das Qualitätsgefälle ersichtlich. Dunkle Gesichtshaut, Kehllappenfalten und breiter gewünschte Abschlüsse brachten die Abstufung. Von bestechender Güte war ein Stamm mit 95, 96 und 97 Punkten: Außerordentliche Körperbreite, super straffes und breites Gefieder, korrekte Oberlinienausformung und intensiver Grünglanz sorgten für Aufsehen. Die folgenden Goldhalsigen hatten typische Vertreter unter sich, waren jedoch nicht so ausgeglichen wie der hochfeine Stamm Silberhalsige von Bänz Käsermann. Doch erhebliche Probleme in Form und Farbe hatten die Gelb-columbia.

 

Während des Aufenthalts in der Schweiz wurden auch spontan einige Zuchten besichtigt – die Erinnerungen daran sind durchweg positiv. Michi Ahngern´s Zuchtstätte war die erste Anlaufstation. Er ist Zuchtwart im Schweizer Federfuß-Klub. Topp gepflegt, sauber, übersichtlich und praktikabel eingerichtet war seine Zuchtanlage. In den folgenden Besuchen erfuhren wir, dass dies wohl charakteristisch für die von uns gesichteten Schweizer Zuchten ist. Michi Ahngern züchtet neben weißen und schwarzen Federfüßen noch Ükkeler und Everberger Bartzwerge in verschiedenen Farbenschlägen. Zwei Außenställe sind für die Aufzucht der Federfüße bestimmt. In einem komplexeren Stallgebäude sind mehrere Boxen eingerichtet für Zuchtstämme und Jungtiere. Abluftventilatoren und die Möglichkeit zum Beheizen sichern ein tierfreundliches Stallklima. Gefüttert wird per Futterautomaten. Auf Michi´s Nachbargrundstück befindet sich die Zuchtanlage von Andreas Lutz, dem Präsident des Klubs für Holländische Zwerghühner. Seine Zuchtanlage ist ein echtes Schmuckstück und die Tierqualität in den Stallungen begeisterte obendrein. Holländische Zwerghühner und Antwerpener Bartzwerge verschiedener Farbenschläge werden im größeren Umfang gezüchtet. Fütterung, Abluftventilation und Temperierung laufen analog zur Ahngern-Zuchtanlage. Eine Offenfrontvoliere beherbergt die Alttiere über die Sommerzeit, ein Außenstall und ein komplexes Stallgebäude mit vielen großzügigen Abteilen gewährleisten eine optimale Unterbringung. Interessant waren die „Splashtiere“ aus der Zucht der Blau-Silberhalsigen, die regelmäßigen Zuchteinsatz finden. Der dritte Besuch galt einer Züchterin von bärtigen Federfüßen in schwarz und weiß, sowie gelber Orpington. Im absolut idyllischen aber stark geneigten Gelände befanden sich mehrere kleine Ställe. Gezüchtet werden auch Schweizer Fehkaninchen als Nationalrasse der Schweiz. Besichtigt wurde auf der Heimfahrt noch die Zucht von Beat Schoch mit dem während des Richtens ein Date verabredet wurde. Beat ist ein internationaler Experte für Kämpfer und züchtet selbst Moderne Englische Zwergkämpfer in feinster Qualität. Er berichtete von seinen Besuch der Englischen Kämpfershow in der Vorwoche mit eindrucksvollen Erlebnissen. Seine Zucht läuft im begrenzten Größenrahmen aber auf sehr hohem Niveau. Gleiches lässt sich hinsichtlich seiner Zwergenten behaupten.

Es ließe sich noch viel Interessantes über den Aufenthalt bei den Schweizer Zuchtfreunden berichten, aber das Wesentliche ist genannt. In positiver Erinnerung werden kameradschaftliche Züchter, eine tolle Schau und klasse Zuchtanlagen auf jeden Fall bleiben.

Ruben Schreiter

Zuchtanlage von Michi Ahngern

Zuchtanlage von Andreas Lutz

Zuchtanlage von Beat Schoch

 

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