Bei den Vierlings in Heddesheim
50 Jahre Federfüßige Zwerghühner

(..) Nach wie vor mein Interesse auf die rassegeflügelzüchterischen Ereignisse in dieser Region Badens gerichtet, fielen mir zunehmend Züchternamen auf, die in der Szene noch heute geläufig sind, Darunter der Züchter von Federfüßigen Zwerghühnern Karl-Heinz Vierling aus Heddesheim. „Heddese“ liegt zwischen Mannheim und der badischen Bergstraße. (..)Wie vereinbart, durfte ich in der letzten Aprilwoche bei ihm einen Blick in die Federfußzucht werfen. Er steckte gerade in den Vorbereitungen für den Auftritt des LV Baden beim traditionellen Mannheimer-Maimarkt. Das tut er seit eh und je; in und für die Organisation ist er zusammen mit seiner Frau Resi dort mitarbeitend integriert und engagiert – beide seit immerhin 50 Jahren.
Als sie 1962 bei Verwandten in Stuttgart einen aussortierten, zum Schlachten vorgesehenen Federfußhahn sahen, nahmen sie ihn kurzerhand mit nach Hause. Nicht nur aus Mitleid – es war Liebe auf den ersten Blick! Sie wurden Mitglied in KTZV von Heddesheim. Es war wohl ein Jahr der Zufälle. Als nämlich das junge Ehepaar im nahe liegenden Odenwald ihren Urlaub verbrachte, befragte sie der Pensionsbetreiber, ob er ein auf Hochzeitreise befindliches Ehepaar an ihren Tisch setzen dürfe. Wie sich dann herausstellte, trafen sie mit Romy und Robert Hechler aus Hanau, einem echten „Federfuß-Gespann“ zusammen. Somit wurde dann auch mit der damals geschlossenen Dauerfreundschaft der Beitritt in den SV der Züchter Federfüßiger Zwerghühner besiegelt.
Ein Leben für die Rassegeflügelzucht, speziell mit besonderen Zuwendungen für die Federfüßigen Zwerghühner, nahm seinen Anfang. Von 1970 an organisierten Resi und Karl-Heinz Vierling 4 Hauptsonderschauen und ebenso viele Sommertagungen, des Weiteren 25 Tierbesprechungen der Gruppe Süd.
Sein Engagement ist sehr weitreichend. Als KV-Zuchtwart über 20 Jahre lang tätig, rief er Kreiszuchtwarteschauen ins Leben. Vor 23 Jahren übernahm er den Vorsitz der bereits erwähnten Zwerghuhnzüchtergemeinschaft Kurpfalz, dessen 50-jähriges Jubiläum 2010 ein Anlass zum Feiern gewesen ist. In doppeltem Sinne eigentlich; denn im Jahr zuvor oblag ihr die so erfolgreiche Durchführung der Jahrestagung des Verbandes der Zwerghuhnzüchter-Vereine e.V. (VZV) in Schwetzingen. Erwähnenswert sind noch die Mitgliedschaften im GZV Ornis 1896 Weinheim (45 Jahre), GZV Ober-Laudenbach (40 Jahre). Außerdem gehört er seit 25 Jahren dem Hannoverschen GZV und seit 20 Jahren dem schweizerischen SV für Federfüßige Zwerghühner, neuerdings auch dem KTZV Viernheim an.
Unterschlagen darf nicht werden, dass Zuchtfreund Vierling für seinen 1918 gegründeten Heimatverein, den KTZV Heddesheim, 40 Jahre lang Vorstandstätigkeiten leistete, davon 5 Jahre als Vorsitzender und 15 Jahre als Stellvertreter. In diese Zeit fiel der Bau der mit Fördermitteln errichteten Heddesheimer Gemeinschaftszuchtanlage mit 32 jeweils 300 Quadratmeter großen Parzellen. Bei meinem Rundgang machten besonders die Massivbauten der Rassekaninchenzüchter einen sehr gepflegten Eindruck. Blumenschmuck im Vorgarten, der bei den Rassegeflügelzüchtern freilich für die Ausläufe des Federvolks geopfert werden muss. Bei der Errichtung der Gebäude hat er als Handwerker viel mit Hand angelegt, so manche Stunde seiner Feizeit geopfert. Außerhalb am Feldrain liegend, gleicht diese Insel einer Oase – ihre Vereinsgaststätte mit großer Ausstellungshalle genießt regen Zuspruch.
Der züchterische Schwerpunkt meines Gastgebers liegt in der Federfußzucht jetzt bei den Farbenschlägen Gold-Porzellanfarbig und Weiß. Gezüchtet wird jeweils mit 2 Stämmen (1,4). Ab Mitte Februar werden die Bruteier gesammelt, danach zweimal etwa 120 Stück eingelegt, die Küken am 3. Lebenstag bereits nach groben Fehlern aussortiert, beim Beringen der restliche Teil. Geimpft wird gegen Mareksche Lähme und Newcastle Disease. Die Aufzucht erfolgt mit Grütze, Kükenaufzuchtmehl, Junghennen- und Junghähnemehl, dazu eine Körnermischung.
Bei meinem Besuch waren noch je ein Stamm der beiden Farbenschläge vorhanden, in den Abteilen des beheizten Massivstalles tummelten sich die heranwachsenden Jungtiere. Mobile Gesellen, für die ein Auslauf mit frischem Graswuchs vorbereitet ist. Bei den Alttieren sehe ich am Boden Styroporteile liegen, damit beschäftigen sie sich gern.
Als wir uns über die Zucht allgemein unterhalten, bemerkt er, im Austausch mit Ernst Mensinger und Robert Hechler zusammenzuarbeiten. Beide betreiben erfolgreiche Zuchten und dank seiner Zuchtbuchführung weiß er auf welche Tiere von ihnen zurückzugreifen ist.
Aber auch seine Ausstellungsbilanz kann sich sehen lassen: Bänder von Nationalen, Hannover, LV- und Hauptsonderschauen, der Schweiz, Leistungs- und Zuchtpreise sowie Deutsche Meisterschaften sind eindeutige Erfolgsnachweise für die intensive Zuchtarbeit. Gerechtfertigte Würdigungen für seinen Einsatz sind die Ehrungen zum Meister der Deutschen Zwerghuhnzucht sowie die des badischen Landesverbandes. Ehrenmitgliedschaften sind weitere Zeugnisse, die sich Karl-Heinz Vierling mit Ehefrau Resi teilt; denn ohne ihre Mithilfe wäre ein solches aufopferungsvolles Engagement nicht möglich gewesen.
In diesem Jahr stehen für die Federfüße einige Wettbewerbe an, sind sie doch Rasse des Jahres im BDRG. So die 45. Hauptsonderschau, diesmal in Thüringen veranstaltet. Daran teilzunehmen wird für ihn Ehrensache und Verpflichtung zugleich sein. Beim Abschied wünsche ich viel Erfolg und bedanke mich beim Ehepaar Vierling für die freundliche Aufnahme.

Günter Stach, aus Geflügelzeitung 16/2012

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