Rassegeflügel – eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung

Computerspiele, Internet, Facebook, Youtube und Co. sind die neuen Hobbys vieler unserer Kinder und Jugendlichen. So scheint es auch nicht verwunderlich, wenn viele von ihnen denken, dass Kühe in der Tat  lila seien, wie die Kuh von Milka. Aus diesem Blickwinkel betrachtet hat man als Lehrer in der Schule heute einen viel größeren Bildungsauftrag als früher. Etliche Kinder sind waschechte „Stadtkinder“, ein Leben auf dem Dorf mit den verschiedenen Nutztieren ist ihnen fremd. „Moderne“ Haustiere sind angesagt. Hühner, Kaninchen, Tauben u.a. Nutz- und Heimtiere sind nicht mehr „in“. Deshalb sollte es jedem Züchter von Nutztieren, welcher Art auch immer, ein Anliegen sein, mit den örtlichen Schulen in Verbindung zu treten und quasi eine Art Kooperation zu gründen. Auf diese Weise kann es uns gelingen neue Halter und vielleicht auch spätere (Jung-)Züchter für unser schönes Hobby der Rassegeflügelzucht zu gewinnen. Der BDRG wirbt sicher nicht umsonst mit dem Slogan „Rassegeflügel – eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.“ Diese ist nicht nur sinnvoll, sondern auch mit sehr viel Arbeit, Aufwand und Pflichtbewusstsein verbunden. Ein Huhn oder eine Taube braucht jeden Tag frisches Futter und Wasser. Diesbezüglich sind z.B. Schlangen wesentlich einfacher zu halten. Die kann man schon mal ein paar Tage oder sogar Wochen alleine in ihrem Terrarium lassen, ohne sie jeden Tag füttern zu müssen. Diese „modernen“ Haustiere überleben eine solche „Zwangsdiät“ ohne Probleme. Unserem Rassegeflügel würde das schon nach kurzer Zeit nicht bekommen. Darum war es mir ein besonderes Anliegen, der Anfrage meiner ehemaligen Schule nachzukommen und den Fünftklässlern am Ende eines für sie langen und anstrengenden Schuljahres einen Wandertag in unsere Rasse- und Ziergeflügelzuchtanlage zu  ermöglichen. Damit bot sich mir die Gelegenheit den Kinder im Alter von 10 bis 11 Jahren zu zeigen, was heißt, sich mit der Haltung und Zucht von exotischen Vögeln und Rassegeflügel in der Freizeit zu beschäftigen. Als Ansporn wurde von der Klassenlehrerin ein Quiz konzipiert, auf dessen Sieger am Ende ein toller Preis wartete. Die Fragen für das Quiz wurden von mir in Absprache mit der Lehrerin konzipiert. So mussten die Schülerinnen und Schüler gut zuhören und aufpassen, was ich ihnen während unseres 1 ½ stündigen Rundgangs erzählte. Das ganze sollte in das Stoffgebiet „Vögel“, welches auf dem Lehrplan der 5. Klasse im Fach Biologie steht, eingebettet sein. Die diesjährige Nachzucht meiner Federfüßigen Zwerghühner war dabei natürlich ein besonderer Blickfang. Wer hat schon einmal so kleine Hühner mit zusätzlichen “Flügeln“ an den Füßen gesehen? Von den bunten Farben waren die Kinder natürlich auch begeistert.
Bereits im Frühjahr diesen Jahres hatten wir zwei 5. Klassen einer Förderschule aus dem anderen Nachbarort zu Gast. Zu diesem Zeitpunkt waren die sich in Betrieb befindliche Brutmaschine und die wenigen Tage alten Küken aus der ersten Brut der „Renner“ bei den Kindern. Zahlreiche Fragen kamen bei ihnen auf, die ich ihnen so gut es ging verständlich und kindgerecht versuchte zu beantworten.
Am Ende eines jeden dieser beiden Projekttage standen zehn- bis elfjährige Schüler, die um wichtige Erfahrungen reicher waren und mit bunten Federn von Papageien und Turakos sowie den vom BDRG angebotenen Postern „Vom Ei zum Küken“ den Nachhauseweg antraten.
Sollten in Zukunft wieder Kollegen aus diesen oder anderen Schulen auf mich zukommen und vorhaben ihren Schülern am lebenden Beispiel die Natur und das Leben auf dem Lande näher zubringen, werde ich mich sehr gern daran beteiligen. Und das kann ich auch nur allen Haltern von (Rasse-)Geflügel, Schafen, Rindern, Pferden u.a. (Nutz-)Tieren empfehlen. Nur so wird es uns gelingen, dass in Zukunft doch der ein oder andere Jugendliche weiß, dass Kühe eben nicht lila sind, die Eier und Milch nicht in Regalen des Supermarktes wachsen, sondern dazu zum Beispiel Hähne notwendig sind, die schon früh am Morgen von ihrem Krähruf Gebrauch machen und uns wecken können.

 

Christian Zenker

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