Ernst Mensinger

Am 7. März verstarb Ernst Mensinger im Alter von 81. Jahren.

1935 bei Marienbad geboren, verbrachte er nur 10 Jahre in seiner Heimat – dem Sudetenland –  bevor er mit seinem Vater und 2 Schwestern ausgesiedelt wurde und im unterfränkischen Kitzingen landete. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann gründete er 1969 das Freizeit-Land Geiselwind, vorerst als Vogel-Pony-Märchen-Park. Hier verwirklichte er seine Intention einer naturnahen Tierpräsentation und im Safari-Stil durften die Tiere weitestgehend frei herumlaufen. Nach und nach gewannen auch Attraktionen wie Achterbahnen, Karusselle und Live-Vorführungen an Bedeutung und es vollzog sich der Wandel vom kleinen Tierpark zum heute 400.000m2 großen Freizeitpark.

Seine züchterische Zuneigung galt vielen Rassen, auch wenn die Federfüßigen Zwerghühner und Stellerkröpfer als seine Stammrassen bezeichnet werden können. Die Federfüße züchtete Ernst zeitweise in über 10 Farbenschlägen, wobei die bereits vorhandenen Zitron-porzellanfarbigen und Gestreiften von ihm neu herausgezüchtet wurden. Vorerst als Nebenprodukt fielen dabei auch die Silber-porzellanfarbigen an, die letztlich 1997 im BDRG anerkannt wurden.  Die größte Liebe galt den Gold-porzellanfarbigen, deren Zucht er bis kurz vor seinem Tod in höchster Vollendung betrieb. Im SV der Züchter Federfüßiger Zwerghühner setzte Zfrd. Mensinger entscheidende Impulse als Zuchtwart. Zur Wiedervereinigung von SZG und SV setzte er den gemeinsamen Willen an der Zucht der Rasse in den Vordergrund und sorgte maßgeblich für eine vorbildliche Verschmelzung beider Vereine. Unter seiner Regie entstand zum 75-jährigen SV-Jubiläum das 235-seitiges Fachbuch „Federfüßige Zwerghühner, die Zwerghuhnrasse der Welt“. In Würdigung der überragenden Aktivitäten wurde er als bisher einziges Mitglied mit der goldenen Ehrennadel mit Rubinen ausgezeichnet. Zudem wurde ihm 1987 auch eine Urkunde über die vorbildlichste Zuchtanlage Europas, unterzeichnet von den Vorsitzenden der SV in Holland, Dänemark, der DDR und BRD überreicht.

Ernst Mensinger verstand es immer als Hauptanliegen, Rassen bzw. Farbenschläge züchterisch zu verbessern und im nächsten Schritt diese Fortschritte durch Weitergabe von Zuchttieren und Bruteiern auf die breite Basis zu übertragen. Damit erzeilte die Zuchtstätte Mensinger ein bahnbrechendes Wirken und war Schrittmacher des Zuchtstands der betreffenden Varianten. Die qualitativen Quantensprünge die z. T. dabei zu verzeichnen waren, gelangen durch seine züchterische Hochbegabung und schier unglaublichen Rahmenbedingungen in seinen Zuchtanlagen. Dieses Vorgehen praktizierte er auch bei vielen weiteren Rassen, die sein Herz eroberten. Genannt seien beispielhaft Tschechische Gänse, schwarze Hamburger, Brakel in gold und silber, silberfarbige Italiener, schwarze Sumatra und Prachener Kanik.

Ein züchterisches Denkmal wurde mit der Veredelung, Anerkennung und Verbreitung der Fränkischen Landgänse gesetzt. Der im Maingebiet bei Bauern und in Naturgebieten vorkommende Landgansschlag faszinierte Ernst. Gezielte Zucht unter der Prämisse der Beibehaltung des urigen Charakters brachte die Fränkischen Landgänse 2003 zur Anerkennung. Mensingers Maxime „Nicht das Denkmalsetzen, sondern die Denkmalpflege ist die hohe Kunst neuer Rassen“ verschaffte den Fränkischen Landgänsen unter akribischer Arbeit in Geiselwind einen Senkrechtstart. Heute ist sie die beliebteste Gänserasse Deutschlands.

Werbung für die Zucht von edlem Rassegeflügel zu betreiben, war eine Herzensangelegenheit. Viele Paarzellen mit verschiedensten Geflügelrassen, Schaubrüten und ein Rassegeflügel-Safariland brachten Außenstehenden im Freizeitland unser Hobby näher. Unzählige Führungen von Vereinen und Verbänden erfolgten durch die z.T. im Park integrierte Zuchtanlage und den weiteren Zuchtstätten Mensingers. Die umfangreichen Tierbestände in sehr großzügigen Platzverhältnissen mit mehreren Weihern für das Wassergeflügel und das qualitative Spitzenniveau des Rassegeflügels brachten die Züchteraugen zum Funkeln. Unvergessen und noch heute in allerbester Erinnerung sind die riesigen Schauvolieren auf den Bundesschauen in Nürnberg, Hannover und Leipzig, wo Gänse, Enten, Hühner und Tauben gemeinsam im Bauernhofambiente vor traumhafter Kulisse die Besucher zum Träumen einluden. Diese Präsentationen trugen Vorbildcharakter und gaben den Startschuss für eine neue Form der Tierdarstellung auf Schauen.

Neben dem Fachbuch über Federfüßige Zwerghühner stammten eine Reihe von Rasseberichten und die „Weihnachtsgeschichten“ in den Fachzeitschriften aus seiner Feder. Dabei verstand es Ernst mit den Storys rund um die Rasse, deren Zucht und deren Züchtern den Leser zu fesseln. Seiner großen Liebe unter den Rassekaninchen, den Hasenkaninchen, die er gleichsam mit Akribie und in höchster Vollendung züchtete, widmete er zusätzlich ein noch heute anerkanntes Werk. Mit Herzblut initiierte und unterstützte Ernst soziale Projekte in Entwicklungsländern, wie dem Aufbau von bäuerlichen Kaninchenhaltungen.

Die Erfolge auf Schauen von Rassegeflügel aus Geiselwind hatten absoluten Ausnahmecharakter, fanden aber von Ernst Mensinger – ohnehin vielmals kein Mann der vielen Worte – kaum Erwähnung. Mitglied im KTZV Großlangheim war er seit 1985. In unserer Organisation wurde sein außergewöhnliches Wirken mit dem Meister der Bayerischen Rassegeflügelzucht und Bundesehrenmeister gewürdigt. Für sein soziales Engagement zum Wohle der Gesellschaft wurde ihm 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. In der Gemeinde Markt Geiselwind war er Ehrenbürger.

Mit Ernst Mensinger verlieren wir einen einmaligen Förderer, Kenner und Könner der deutschen und europäischen Rassegeflügelzucht. Seine Freunde verlieren einen treuen und geradlinigen Kameraden. Für seinen unermüdlichen Einsatz, seinen Weitblick und die züchterische Genialität zollen wir ihm höchste Anerkennung und Dankbarkeit.

 

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