Ein Strauß bunter Blüten
Rundreise durch die Welt der Federfüßigen Zwerghühner

Ein Strauß der bunten Blumen, das ist sie allenfalls - die Farbenvielfalt der Federfüßigen Zwerghühner. Der Vergleich mit einem bunten Blumenstrauß beruht auf der früheren Bezeichnung "mille fleurs" - zu deutsch "tausend Blüten" - für den gold-porzellanfarbigen Farbenschlag. Dass der Zauber dieser Spezies schon seit geraumer Zeit in die Herzen ihrer Liebhaber festsitzt, beweist die liebevolle ursprüngliche Namensgebung deutlich. Einigen Facetten und Einheiten der Federfüße sollen die folgenden Zeilen gewidmet sein, ohne dabei Rahmen sprengend detailgetreu auf rassespezifische Merkmale der Zucht und Bewertung einzugehen.

Jahrtausende alt

Federfüßige Zwerghühner gehören nachweislich zu den ältesten Zwerghuhnrassen der Welt. Seit jeher begeistern sie viele naturverbundene Menschen, Züchter und auch viele Liebhaber. Aber nicht nur diese Personen waren von diesem Naturwunder fasziniert, auch bei Künstlern und Malern fanden sie reges Interesse. Schon 60 n.Chr. berichtete Columnella von Zwerghühnern mit Federstulpen, wie sie die Federfüße auch heute noch in ähnlicher Art besitzen. Also kann man behaupten, dass diese Hühnchen schon fast seit Christi Geburt die Geschichte des Menschen begleiten. Darauf folgend sind stichhaltige Dokumentationen über laufbefiederte Zwerghühner in den literarischen Werken rar. Doch ab dem 16. Jahrhundert gibt es wieder genügend Quellen über deren Vorkommen. So stellte Olyssus Aldrovandi in seiner "Ornithologie" um 1600 Zwerghühner mit befiederten Läufen das. J.M. Blechstein führt neben glattfüßigen auch fußbefiederte Zwerghühner auf. Gleichfalls ist den Berichten des deutschen Naturforschers Pallas über seine Russlandreise zu entnehmen, dass ihm fußbefiederte Zwerghühner zu Augen gekommen sind. Dürigen zufolge seien ausgangs des Mittelalters belatschte Zwerghühner in Deutschland überall anzutreffen gewesen.
Demzufolge gehören fußbefiederte Zwerghühner seit Jahrhunderten ins Gepränge des ländlichen Raumes und waren im beschriebenen Zeitraum weit verbreitet anzutreffen, erlangten aber bezügliche des Rassezucht keine besondere Beachtung. Diese gewann erst an Bedeutung, nachdem sich die Engländer dieser Spezies angenommen hatten und sie zu einem hoffähigen Zwerghuhntypus veredelten. Das war der Beginn der gezielten Zucht der Federfüßigen Zwerghühner. Zur ersten Klubschau des Bundes Deutscher Geflügelzüchter waren bereits 3 Paare im porzellanfarbigen Farbenschlag zu sehen. 1896, zur Zwerghuhnschau, standen schon 74 Stück in den Farben Porzellanfarbig, Schwarz-weißgescheckt und Bunt. In der Zeit um den Ersten Weltkrieg waren nur wenige Züchter vorhanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Zucht der Federfüßigen Zwerghühner einen wahren Aufschwung. Die Züchterzahl vermehrte sich stark, ebenso die Zahl der Farbenschläge. Lange Zeit waren die heutigen Gold-Porzellanfarbigen die zahlenmäßig absolut Dominierenden, machten sie doch teils über 75 Prozent des Gesamtbestandes aus. Durch ihre einzigartige Schönheit in Figur und Farbe, die einen Augenschmaus für jeden Züchter und Liebhaber darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass sie in quantitativer Hinsicht heute mit der Spitzengruppe der Zwerghuhnrassen stehen.

Vital seit eh und je...

Betrachtet man allein diesen Grobumriss um die Entstehung der Federfüßigen Zwerghühner, wird einem klar, dass solch unglaublich langes Bestehen nur auf Anpassungsfähigkeit und Robustheit beruhen kann. Im Verlaufe dieser Zeit haben sich die fußbefiederten Hühner und Zwerghühner kontinuierlich selbst erhalten und konnten unter den natürlichen Umweltbedingungen bestens bestehen. Vitalität und Leistungskraft sind seit jeher in der genetischen Substanz dieser Rasse fest verankert. Der Züchter selbst weiß es, aufgrund seines ständigen Umgangs mit seinen Tieren, dass Federfüßige Zwerghühner in keinster Weise Beeinträchtigungen im Alltag zu erstehen haben.
Die Zucht und Haltung beinhaltet keine sonderlichen Schwierigkeiten, wenngleich sich ein relativ kurzer und gepflegter Auslaufbewuchs als vorteilhaft für die Präsentation eines unversehrten Fußwerks erweist. Unbestritten sind dabei natürlich die Vorteile des Grasauslaufs hinsichtlich der zusätzlichen Nahrungsaufnahme und somit der Immunstärkung. Weiterhin gelten die allgemein gültigen Grundsätze an die Haltungsbedingungen, unter denen auch sonstige Rassen gedeihen. Das verhältnismäßig geringe Platzbedürfnis kommt den vielerorts vorzufinden Umständen natürliche zugute und stellt somit auch einen positiven Faktor hinsichtlich der Verbreitung dar. Wenngleich es sich um keine Rasse mit ausgesprochenem Augenmerk auf Legeleistung handelt, ist die Bilanz von 100 bis 150 erbrachten, rund 30 g schweren Eiern am Jahr beachtlich. Die große Spanne der jährlichen Legeleistung bezieht sich auf die verschiedenen Farbenschläge und Blutlinien. Selektiv ist das Merkmal der Legeleistung im hohen Maß beeinflussbar, was den Züchter Wege öffnet, stetig dahingehend Verbesserungen zu erzielen. Auf diese Grundlage gelingt es sehr gut, den notwendigen Grundstock für das selektive Wirken des Züchters, das letztlich den züchterischen Fortschritt bewirkt, zu erreichen. dabei sollten die Auswahlkriterien immer auch auf Leistung und Vitalität unseres Rassegeflügels gerichtet sein. Gerade bei sich erhöhendem Verwandtschaftsgrad der miteinander verpaarten Tiere bedarf dies der Beachtung. Gemeint sind damit Eigenschaften, wie Befruchtungs- und Schlupfleistung, Befiederungsgeschwindigkeit, Wachstumsausgeglichenheit oder Blütebeständigkeit. Kommt dazu ein konsequentes Selektieren bezüglich der vielen Feinheiten der Figur, farb- und zeichnungstechnischen Attributen und allgemeinen Rassemerkmalen, steht der erfolgreichen Zucht nichts mehr im Wege. Problemlos gelingt die Kunstbrut und Aufzucht; auch von mehreren Farbenschlägen gemeinsam. Obacht sei jedoch bei jeglichen Anzeichen von Federfressen gegeben, hier muss rechtzeitig bzw. präventiv eingegriffen werden. Um im November/Dezember voll entwickelte Vertreter zu besitzen, genügen Schlupftermine im April absolut aus. Bestimmend für die Entwicklungszeit sind natürlich die jeweiligen Haltungs- und Fütternungsfaktoren, unter denen die Nachzucht aufwächst. Allgemein empfiehlt sich eine reichhaltige Grünfuttergabe, da sich neben den hochwertvollen Inhaltsstoffen auch einen hemmenden Aspekt bezüglich der Neigung zum Federfressen einnimmt. Die allgemein geläufige getrennte Aufzucht nach Geschlechtern kommt der Entwicklung sehr zugute, wobei in den Junghahnenherden ein rangoberer Althahn integriert ist. Eine separate Einzelhaltung der Ausstellungshähne ist damit nicht notwendig und findet kaum Anwendung.

Puppiges Auftreten - bunte Farbenschlagspalette

Fragt man sich im die Ursachen der beständig hohen Beliebtheit der Federfüßigen Zwerghühner, so nimmt dabei natürlich ihr ästhetischer Wert den dominierenden Part ein. Die ausdrucksstarke, puppige Statur besitzt in Kombination mit der Vielzahl der Farbenschläge ein hohes Trefferpotential beim Züchtergeschmack. Zweifelsfrei liegen aus figürlicher Sicht in der stolzen, leicht vorgewölbt getragenen Brustpartie, Kurzrumpfigkeit und dem hohlrunden Rückenschwung die besonderen Reize, die zugegebenermaßen auch andere Urzwergrassen ausmachen. Die Paarung mit der vollen Fußbefiederung gibt den Rassefanatikern sicherlich den ästhetischen Kick. Breites Gefallen findet weiterhin die große Farbenschlagspalette von gegenwärtig 24 standardisierten Farbenschlägen. Spricht man von Federfüßigen Zwerghühnern, so fällt im gleichen Zuge ein Begriff: Porzellanfarbig. Hinter der Gruppe der Farbenschläge mit dem "porzellanfarbigen" Zeichnungsmuster steht ein großes Züchterpotential, allen voran beim Paradefarbenschlag Gold-Porzellanfarbig. Keine andere Rasse präsentiert die Porzellanfarbenschläge in solch zeichnungstechnischer Perfektion. Dieses Niveau gilt es zu stabilisieren und auszubauen.
Unvergessen sind dabei natürlich die weiteren Farbenschläge, die in ihrer Verbreitung und Schaupräsentationen teils weit an die Gold-Porzellanfarbigen heranreichen. Nur wenige Farbenschläge besitzen eine sehr kleine Zuchtbasis, was aber nicht zwingend auf besondere Zuchtschwierigkeit schließen lassen kann. Weiterhin sind alle Farbenschläge auch in der bärtigen Variante anerkannt, wenn zum Teil auch gegenwärtig nicht  vorhanden. Viele bärtige Farbenschläge können auf ein ausgesprochen langes Bestehen zurückblicken.

2011 - 100 Jahr SV

Verantwortlich für die fachliche Betreuung der Züchter dieser Rasse ist der Sonderverein der Züchter Federfüßiger Zwerghühner, der im kommenden Jahr das 100-jährige Jubiläum feiert. Gegründet am 9. April 1911 im sächsischen Chemnitz in Hauptinitiative von Paul Hahn, blickt der SV auf eine lange Zeit der Förderung der Rasse und ihrer Züchter zurück. Großartige Kenner und Könner prägten die Geschichte des Vereins und der erfolgte Zusammenschluss von SV und SZG nach der Wiedervereinigung brachte abermals einen Aufschwung. Heute sieht man auf den jährlichen Hauptsinderschauen 700 bis 900 Exemplare, wobei auch die Beteiligung am gesamten Schauwesen von Bundesschauen bis zu regionalen Ausstellungen durchweg rege ist. Die Mitglieder des SV freuen sich schon heute auf das Jubiläumsjahr, mit der Sommertagung unweit des Gründungsortes Chemnitz und der HSS am 19./20.11.2011 in Schopfloch. Zu diesem Anlass wird es auch eine Chronik geben, fußend auf der Ausgabe zum 75-jährigen Jubiläum. Interessenten können diese ab Mitte 2011 beim SV beziehen. Nicht zuletzt wirft auch das Jahr 2012 mit den Federfüßigen Zwerghühnern als Rasse des Jahres im BDRG seine großen Schatten voraus.

Geschrieben von Ruben Schreiter (Pressewart) und veröffentlicht in der Geflügelzeitung

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