Federfüßige Zwerghühner

Dieses puppige Aussehen, diese runden Figuren, diese stolze und trotzdem zwergenhafte Erscheinung des Hahnes. Diese Hühnchen auf grünen Frühlingsrasen zu beobachten; Der Hahn, die Henne rufend, einen Wurm in Schnabel haltend, diese wunderschönen, lebensfrohen Hennchen lockend. Dann der beträchtige Gang der Hennchen mit ihrer einzigartigen Fußbefiederung, die leuchtenden Farben im Sonnenschein… egal welcher dieser Anblicke es auch war, diese Rasse ließ mich nicht mehr in Ruh – die Federfüßigen Zwerghühner. Liebe auf den ersten Blick, wie man so schön sagt. Es war für mich die Zwerghuhnrasse aller Zwerghuhnrassen. Diese und keine anderen sollten es sein. Und sie sind es geworden und begleiten mich seither Tag für Tag.

Federfüßige Zwerghühner gehören nachweislich zu den ältesten Zwerghuhnrassen der Welt. Seit jeher begeistern sie viele naturverbundene Menschen, Züchter und auch viele Liebhaber. Aber nicht nur diese Personen waren von diesem Naturwunder fasziniert, auch bei Künstlern und Malern fanden sie reges Interesse. Schon 60 n. Chr. berichtete Columella von Zwerghühnern mit Federstulpen, wie sie die Federfüße auch heute noch in ähnlicher Art besitzen. Also kann man behaupten, dass diese Hühnchen schon fast seit Christi Geburt die Geschichte des Menschen begleiten. danach erfährt man in der Literatur nichts Genaues mehr über federfüßige Zwerghühner. Doch ab dem 17. Jahrhundert gibt es wieder genügend Quellen über deren Vorkommen. So stellte Aldrovandi um 1600 Zwerghühner mit befiederten Läufen dar. gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben sich englische Züchter der Zucht der Rassen angenommen. Dies war der Beginn der gezielten Zucht der Federfüßigen Zwerghühner.

Zur ersten Klubschau de Bundes Deutscher Geflügelzüchter waren bereits 3 Paare im porzellanfarbigen Farbenschlag zu sehen. 1896, zur Zwerghuhnschau, standen schon 74 Stück in den Farben Porzellanfarbig, Schwarz-weißgescheckt und Bunt. Auch existierten zu dieser Zeit die Blau-porzellanfarbigen, Kuckucks- und  Rebhuhnfarbigen, wie die Vorfahren der heutigen Gestreiften und Goldhalsigen hießen. In der Zeit um den Ersten Weltkrieg waren nur wenige Züchter vorhanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Zucht Federfüßiger Zwerghühner einen wahren Aufschwung. Die Züchterzahl vermehrte sich stark, ebenso die Zahl der Farbenschläge.

 

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Mittlerweile sind sie in 21 anerkannten Farbenschlägen mit und ohne Bart zu bestaunen. Durch ihre einzigartige Schönheit in Figur und Farbe, die einen Augenschmaus für jeden Züchter und Liebhaber darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass sie in qualitativer Hinsicht heute mit in der Spitzengruppe der Zwerghuhnrassen stehen.

Figürlich gesehen wird ein kurzes, breites und allseits gut gerundetes Urzwerghuhn erwartet. Der Rumpf ist kurz und breit. Dabei sollten beide Geschlechter eine volle, gut ausgerundete Brust besitzen. Vor allem den Hähnen einiger Farbenschläge ist noch mehr Unterbrust zu wünschen. Die Unterlinie muss voll und gut ausgeformt sein. Dazu gehört ein mittelhoher Stand. Dieses Kriterium wird auf den heutigen Schauen von vielen Tieren verkörpert. Jedoch erscheint die Unterlinie mancher Tiere durch eine zu geringe Ausbildung von Stulpen bzw. Fußbefiederung etwas leer. Auch der Erregungszustand des Tieres spielt hier eine nicht unerhebliche Rolle.

Die Federstulpen müssen gut ausgebildet sein, das heißt, sie müssen genügend Federreichtum und Federbreite aufweisen. Das namengebende Merkmal, die Fußbefiederung, ist an der Außen- und Mittezehe vorhanden. Die Mittelzehenbefiederung bedarf bei manchen Farbenschlägen noch etwas züchterischer Hingabe, ist auf der Breite der Tiere aber vorhanden. Tiere, die nicht ausreichend Mittelzehenbefiederung besitzen, werden gestraft und sind nicht zur Zucht zu verwenden. Dagegen ist eine übertrieben lange Fußbefiederung auf jeden Fall abzulehnen, vielmehr zählen eine gute Abrundung und Überbauung. Dabei werden die großen Latschenfedern von oben von kleineren Federchen überdeckt. Bei den gezeichneten Farbenschlägen ergibt das bei vollendeter Zeichnung ein einmaliges Bild – ein wahres Naturwunder für jeden Züchter. Leicht abgebrochene Fußfedern, die sich zu einem späteren Ausstellungszeitpunkt kaum verhindern lassen, werden nicht gestraft, wenn das Fußwerk einen gepflegten Eindruck macht. Aufgrund der stark ausgebildeten Fußbefiederung sind fehlende oder verkümmerte Zehennägel an der Außenzehe gestattet. Auf Schauen wird jedoch bei Gleichwertigkeit von zwei Tieren das Tier mit der vorhandenen Zehenkralle vorgezogen.

Die Schultern sind breit und gut gerundet. Eine hohlrunde Rückenlinie mit breitem Sattel und ausgerundetem Übergang in die Schwanzpartie sind von höchster Bedeutung zur Entstehung der typischen Federfußfigur. Des Öfteren trifft man auf Tiere, die zu schmal in Rücken und Sattel sind. Das wird genauso gestraft, wie eckige und offene Übergänge in den Schwanz. Zu berücksichtigen ist aber auch der Erregungszustand, gerade von jungen Hähnen, die noch nicht so gut mit dem Schaukäfig vertraut sind. Auch erscheint der Rücken der Hennen immer etwas länger als der der Hähne. Der breit angesetzte, gut mittellange und beim Hahn reich befiederte Schwanz ist gut gefächert. Jedoch nicht so stark, dass man zwischen den einzelnen Steuerfedern durchschauen kann. Ebenfalls sollten die breiten säbelförmigen Hauptsicheln überragen, aber nicht mehr als 4 cm. Bei den Hähnen begeistert eine breitfedrige, fest anliegende Nebenbesichelung.

Der kräftige Hals ist mit reichem Behang bestückt. Auf dem mittelgroßen Kopf sitzt ein Einfachkamm mittlerer Größe, der mit möglichst breit angesetzten Zacken versehen ist. Seine Fahne folgt dem Nacken, ohne diesen zu tangieren. Eine leicht lockere Kammfront auf späteren Schauen wird toleriert; wenn es sich um eine wellige Kammfront handelt, wird das als Mangel geahndet. Wert ist auf kleine und runde Kehllappen mit glattem Ansatz zu legen. Intensiv rot und ohne Emaille muss die Ohrfarbe des Hahnes sein. Bei den Hennen jedoch trifft man ab und zu auf mehr oder weniger blasse Ohrlappen. Der Erregungszustand, die Kondition sowie die Erbanlagen sind hier die Ursachen. Das Fingerspitzengefühl des Preisrichters ist hier besonders gefragt.

Nicht nur wegen der typischen Figur der Federfüßigen Zwerghühner sprechen wie viele Jungzüchter an, auch die Farb- und Zeichnungspalette von 21 anerkannten Farbenschlägen ermöglicht jeder Geschmacksrichtung Gefallen an dieser hübschen Zwerghuhnrasse. Gerade die vier porzellanfarbigen Farbenschläge, die Gold-, Isabell-, Zitron- und Silberporzellanfarbigen begeistern durch ihre Dreifarbigkeit. Diese Farbenschläge werden bei keiner anderen Rasse in solch hoher Perfektion gezeigt. Aber auch die Getupften in Gelb, Rot, Schwarz und Perlgrau und die einfarbigen in Weiß, Schwarz, Perlgrau, Gelb und Rot sprechen viele Geschmäcker an. Des Weiteren können sie in Gestreift, Goldhalsig, Blau-goldhalsig, Silberhalsig, Weiß-schwarzcolumbia, Gelb-schwarzcolumbia, Rotgesattelt und Birkenfarbig begeistern.

Die genannten Farben- und Zeichnungsmuster sind, wenn auch teils nicht vorhanden, mit Bart anerkannt. Diese besitzen einen federreichen Backen- und vollen Kinnbart, wobei die männlichen Vertreter meist weniger Bartfülle aufweisen. Die Bärtigen besitzen sehr kleine, vom Bart verdeckte Kehllappen und eine so genannte Mähne (auch Halskrause genannt), also eine Aufbauschung der hinteren Halsbehangfedern.

In Haltung und Pflege stellen die Federfüßigen Zwerghühner keine allzu hohen Ansprüche an den Züchter. Natürlich sollte gerade bei dieser Rasse der Auslauf stets gut gepflegt sein. Wenn dieser mit einer gesunden Grasnarbe bedeckt ist, sollte man sie immer schön kurz halten. Das trägt  deutlich zur Erhaltung eines gepflegten Fußwerkes bei. Das vom Rasenmäher klein gehäckselte Grün ist getrocknet im Winter auch sehr gut zur Zufütterung und als Einstreu geeignet. Als Einstreu ist des Weiteren klein gehäckseltes Stroh und staubarme Hobelspäne bestens geeignet.

In der Aufzucht überzeugen sie durch ihre problemlose Befiederung und Frohwüchsigkeit. Egal ob in der Zucht oder Aufzucht, in der Fütterung sollte man immer für ausreichend Grün sorgen, da das zu einer Verfettung gerade vor der Zucht vorbeugt. Jedoch ist bei der bärtigen Variante hier Vorsicht geboten, da im Bar hängen bleibende Futterreste von den Stallgenossen gerne gefressen werden und somit Bartlücken entstehen und zum Federfressen verleitet wird.

Die hohe Vitalität macht sich auch bei der größtenteils hervorragenden Befruchtung und Legeleistung, die je nach Farbenschlag und Blutlinie zwischen 80 und 150 Eiern pro Jahr liegt, bemerkbar. All diese Attribute machen die Federfüßigen Zwerghühner geradezu ideal für Jungzüchter.

Betreut werden sie vom SV der Züchter der Federfüßigen Zwerghühner, der sich sehr bemüht, Jungzüchter zu unterstützen, Tipps für die Zucht zu geben und gern bei der Beschaffung von Bruteiern und Zuchttieren zu vernünftigen Preisen behilflich ist. Auch das mehrmals im Jahr erscheinende Rundschreiben ist äußerst informativ und berichtet über aktuelle Begebenheiten rund um die Rasse, Sonder- und Hauptsonderschauen und einer Rubrik „Aus der Zucht – Für die Zucht“ von langjährig erfolgreichen Züchtern und vielem mehr.

Jährlich stattfindende Sommertagungen mit Jahreshauptversammlung, Tierbesprechungen und Sonderschauen zählen zu den Highlights unter den Aktivitäten des SV. Hier findet ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Züchtern statt. Auf der Hauptsonderschau stehen jährlich zwischen 700 und 1200 Federfüßige Zwerghühner. Wenn ihr mehr Informationen über die Rasse und den Sonderverein haben wollt, dann besucht bitte die Internetseite des SV www.federfuss.de. Außerdem sind euch der 1. Vorsitzende Arno Löser, Dorfstraße 51, 99718 Feldengel, Tel.: 03636-700100 und der Autor dieser Zeilen unter 03721-24960 gerne behilflich.

Ruben Schreiter                   (aus "Junioren-Geflügelzeitung, 2/2006)

 

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